In der Toskana werden die meisten Spitzenweine Italiens erzeugt. Die Geburt der Super-Toskaner Zie ook De wijn van Ornellaia Die sanfte Landschaft der Toskana scheint sich seit Jahrhunderten nicht verändert zu haben. Doch bei aller Tradition experimentieren die Winzer in der überaus reizvollen Region intensiv mit verschiedenen Rebsorten und dem Ausbau im Barrique. Bei den Qualitätsexporten Italiens liegen die aus dem Hügelland zwischen Florenz und der Maremma sowie zwischen der Insel Elba und dem Apennin wachsenden exzellenten Sangiovese-Rotweine ganz vorn. Die Toskana gilt neben dem Piemont als zweite überragende Weinbauregion Italiens. Nirgendwo sonst im Land hat sich der Weinbau schneller verändert als hier. Schon im siebten Jahrhundert vor Christus hatten die Etrusker Wein in der heutigen Toskana erzeugt und gehandelt. In der an Geschichte und Kunst sehr reichen Region wurden auch die ersten Weinbaubereiche Europas amtlich festgelegt. Als im 19. Jahrhundert Baron Ricasoli die strengen Regeln für die Herstellung eines Chianti niederschrieb, begann der Aufstieg der Toskana zu einer großen Weinmacht.
Eingebettet in eine pittoreske Landschaft des westlichen Mittelitalien, erstrecken sich die Weingärten von den Bergen bis zur tyrrhenischen Küste. Die Hügel der Toskana stellen hervorragende Reblagen dar. Sie mildern hohe Sommertemperaturen und zeichnen sich durch ein breites Spektrum von Kleinklimaten aus, die klassische französische Rebsorten ebenso gut gedeihen lassen wie einheimische Traubengewächse.
Durchsetzt ist die toskanische Weinlandschaft mit zahlreichen Olivenhainen und Wäldern. Auf einer Rebfläche von rund 87.000 Hektar werden jährlich etwa vier Millionen Hektoliter Wein erzeugt. Das entspricht einem durchschnittlichen - und für italienische Verhältnisse sehr niedrigen - Ertrag von 46 Hektolitern pro Hektar. Da die schmale Ausbeute der Weinqualität sehr zugute kommt, entstehen in der Toskana Jahr für Jahr mehr Spitzenweine als in jeder anderen Region des Landes. In der Toskana ist das Phänomen der ”Vini da Tavola” (Tafelweine) entstanden. Als IGT (Indicazione Geografica Tipica) bezeichnet, stellen Weine mit dieser Kennzeichnung die oft recht engen DOC-Grenzen in Frage. Manche dieser IGT-Weine übertreffen sogar Gewächse mit DOCG-Prädikat. Leider verfügt die Toskana derzeit noch über keine weiße Entsprechung zum roten Sangiovese. Zwar ist die Trebbiano Toscano, ein lokaler Klon der weit verbreiteten Sorte, von recht hoher Güte und kann sehr charmante Weine hervorbringen. Eine Spitzensorte ist sie aber nicht. Vielleicht könnte künftig der Vermentino ein kommerzieller Erfolg als weißer Toskana-Traube beschieden sein. Gegenwärtig ist der Anbau dieser sardischen Sorte allerdings nur auf die Küstenregionen beschränkt. Wenn der Weinliebhaber an toskanische Gewächse denkt, fällt ihm spontan der weltberühmte Chianti ein. Jede vierte Flasche aus der Toskana ist ein solcher Wein. Inzwischen wurden die Bestimmungen über die Erzeugung des Chianti geändert, um moderne und qualitätsfördernde Entwicklungen in die Bahnen bereits bestehender DOC- oder DOCG-Strukturen lenken zu können. Typisch für diesen dynamischen Prozess: Viele Weingüter, die besten Chianti erzeugen, sind erst im vergangenen Vierteljahrhundert in Erscheinung getreten. Ähnliches gilt für den fast ebenso berühmten Brunello di Montalcino. Erst Anfang der achtziger Jahre kauften sich mehrere Großbetriebe ein, um an der plötzlich hochschnellenden Nachfrage für dieses Gewächs partizipieren zu können. Doch neben diesen beiden DOCG-Spitzenmarken gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Prädikatsweine, denen ebenfalls große Beachtung geschenkt werden muss. So war zum Beispiel der mächtige Vino Nobile di Montepulciano Italiens erster DOCG-Wein; später folgten aus der Toskana noch Carmignano und Vernaccia di San Gimignano. Und da sind ja auch noch die berühmten Super-Toskaner - Weine, die lange Zeit nur als Tafelweine eingestuft worden waren. Bei diesen Gewächsen handelt es sich um Weine, die aufgrund der verwendeten Rebsorten oder Ausbauverfahren nicht mit den auf Wahrung der Tradition bedachten gesetzlichen Bestimmungen über die Herstellung von Qualitätsweinen in Einklang standen. Schon bald produzierten fast alle großen toskanischen Erzeuger von Chianti, Brunello oder Vino Nobile auch Super-Toskaner. Die Prestigeweine wurden entweder reinsortig aus Sangiovese oder Cabernet Sauvignon bzw. als Cuvée erzeugt und in neuen Weinfässern ausgebaut. Einige der Super-Toskaner erzielten sogar höhere Verkaufspreise als so Qualitätsweine wie Sassicaia, Ornellaia, Solaia, Tignanello, Vigorello, Le Pergole torte oder Fontalloro. Der kommerzielle Erfolg der Super-Toskaner lockte schließlich auch internationale Investoren an. Ein jüngeres Produkt dieser Entwicklung ist der Luce della Vite, ein Gemeinschaftserzeugnis der Marchesi di Frescobaldi und des kalifornischen Weinpatriarchen Robert Mondavi. Um die Qualitätspyramide wieder von der Spitze auf ihr breite Fundament zu stellen, wurde allen Super-Toskanern inzwischen entweder ein DOC- oder ein IGT-Status zugesprochen. Zu den bedeutendsten und größten Weinproduzenten der Toskana bzw. auch Italiens zählen neben Frescobaldi auch Antinori und Ricasoli. Zahlen und Fakten Fläche: 22.992 km² Einwohner: 3,6 Mio. Hauptstadt: Florenz Provinzen: Florenz, Grosseto, Lucca, Livorno, Arezzo, Pisa, Prato, Siena, Pistoia, Massa-Carrara Rebfläche: 87.000 ha Gesamtproduktion pro Jahr: 4,0 Mio. hl (540 Mio. Fl.) DOC-Produktion pro Jahr: 1,0 Mio. (132 Mio. Fl.) Anteil an der italienischen Produktion: 5,2% ![]() | |||
![]() | |||
™De Weinschenker2006 | |||