De Weinschenker
Barossa Australie

Shiraz, de Australische sensatie.

Trefwoorden: Cote-Rotie   Crozes-Hermitage   Grange Profile   Hermitage   Rhone-Syrah   Riesling
Es ist nicht das erste Mal, daß Australien die Weinszene überrascht. Im Jahre 1873, um ein besonders eindrucksvolles Beispiel zu nennen, wurde einem "Hermitage" aus Bendigo, Central Victoria, von einer in Wien tagenden internationalen Jury der erste Preis zuerkannt. Als das Etikett gezeigt wurde und sich herausstellte, daß es kein Wein von der Rhone war, wel Schock, protestierten die französischen Juroren. Der aus der von der Rhone stammenden Syrah gemachte "Hermitage" war so gut, daß er französich sein mußte!
Mit dem Shiraz, dem inzwischen quasi amtlichen Titel für Syrah, brillieren die Aussies nach wie vor und zunehmend. Zwar gibt es auch respektablen Cabernet Sauvignon und Chardonnay, sogar manch verblüffend nach Rhein schmeckenden Riesling wie beispielsweise den 1971er Rheinriesling von Lindeman's, der beim ersten Hinschmecken mit seinem diskreten Petrolton und der sanften Firne als Pfälzer oder Elsässer identifiziert werden kann, doch plumpst er hinten ziemlich kurz weg. Aber international reüssieren Australiens Weinmacher mit Shiraz, den sie neu erblühen ließen.
Rund 40 Prozent der australischen Rebfläche ist mit Shiraz bepflanzt. Diese Uraltrebe, aus dem Orient stammend und von dort entweder durch Römer oder Kreuzzügler - da sind sich die Historiker uneins - an die Rhone gebracht, erlebt eine strahlende Renaissance: an der Rhone, wo der Hermitage (so der Name des über dem Städtchen Tain steil aufragenden Granithügels) im 19. Jahrhundert seine goldene Zeit hatte, doch danach ziemlich vernachlässigt wurde, von wenigen Ausnahmen abgesehen wie dem berühmten 1961er La Chapelle von Jaboulet Aine. Und in Übersee und dort vor allem in Australien.

Die weltweite Karriere des Syrah/Shiraz hat mehrere Gründe. Man suchte nach Ersatz für hochpreisige Gewächse aus Bordeaux und Burgund, langweilte sich mit den italienischen Tafelweinen. Besonders junge Weinfreunde hatten Freude an der üppigen und eingängigen warmwürzigen Aromatik dieser Gewächse, die zudem in achtbarer Güte bereits unter 10 euro zu haben sind. Schließlich haben Winzer an der Rhone wie in Übersee in den letzten Jahren deutlich die Qualität verbessert.
Die Gewächse von der Rhone zeichnen sich durch mächtige Fruchtkörper, feste Tannine und eine opulente Aromatik aus. Es sind Weine von komplexer Struktur, mit Wärme und Würze, weniger elegant als feurig, ja geradezu wild, mundfüllend und deshalb naturgeboren für Körpertrinker, die es mögen, wenn ihnen bei jedem Schluck sozusagen der Gaumen tapeziert wird. Als typische Aromen gelten dunkle Beeren, Kirsche, schwarze Oliven, Rosen, eingelegte Pflaumen, Krauter, Zedernholz. Im Bu-kett schwingt oft eine rauchige Note mit, auch ein Duft, der an einen steinigen Lehmboden erinnert, auf dem stundenlang die Sonne heiß gebrannt hat.

Das europäische Hauptanbaugebiet der Syrah sind die nördlichen Cotes du Rhone zwischen Ampuis und Valence. An steilen, meist terrassenförmig angelegten Weinbergen wachsen die Kraftprotze in Appellationen wie Hermitage, Crozes-Hermitage, Cote-Rotie und Cornas. An der südlichen Rhone wird die Syrah traditionell mit anderen Rotweinsorten (wie Grenache, Mourvedre, Cinsault) verschnitten, beispielsweise zum Chäteauneuf-du-Pape.
Das bedeutendste überseeische Anbaugebiet für Syrah ist Australien, dort Shiraz genannt. Es wird viel Masse produziert, aber im oberen Qualitätsbereich zählen die Shiraz-Weine zum Besten, was der mit Rotweinen immer stärker auftrumpfende Kontinent zu bieten hat.
Charakteristisch für den Shiraz ist eine üppige Fruchtfülle, gepaart mit gewürzigen und süßlichen, oft auch minzigen und stark toastigen Tönen (Röstaromen) als Mitgift des neuen Holzes, in dem die Weine durchweg ausgebaut werden.
Bündelt man die Eigenschaften von Syrah und Shiraz, läßt sich ziemlich gefahrlos sagen, daß der australische Shiraz der Fruchtbengel ist, geschmeidig bis gefällig im Stil, jedenfalls ein Wein von suggestiver Wirkung. Die Rhone-Syrah hat mehr Tiefe, auch mehr Feuer und ist der ernstere Wein.

Grange Profile 1993: Volle Aromatik. Kräftig-rustikal. Duft ist ein Mix aus fruchtigen, holzigen und erdigen Noten. Bißchen Holunder, auch etwas kräuterig. Tannin sehr präsent. Im Abgang etwas nachbitternd. Jeder junge Grange benötigt viel Sauerstoff, weshalb sich zeitiges Dekantieren empfiehlt.
1992: Füllig, weich strukturiert. Betont würzig. Tannin ist noch präsent, beginnt sich jedoch schon zu glätten. Charmante Züge.
1991: Suggestives Bukett, betont süßlich-vanillig, gewürzig, Karamel-Note mit leicht medizinalem Einschlag. Anfangs etwas spröde, doch gute Entwicklung im Glas. Konzentrierter Fruchtkörper, feste und feine Tannine (100 Prozent Shiraz).
1990: Delikates Bukett, fruchtig nach Maulbeeren, Vanille, etwas Tabaksüße. Delikat auch am Gaumen mit zarter Schokonote. Bei allem Reichtum der Aromen grazil strukturiert. Für einen Grange geradezu elegant (5 Prozent Cabernet Sauvignon).
1989: Im Vordergrund deutliches Eichenparfüm, die Frucht steht noch dahinter. Im Glas entwickelt sich Himbeer-Duft. Süßliche Aromen, am Gaumen etwas spröde, adstringierend. Mittlere Struktur (9 Prozent Cabernet Sauvignon).
1988: Warmes, würziges Bukett, geprägt von Röstaromen und Vanille. Tannin wird weich.

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