De Weinschenker
Alambic Charentais
Armagnac

Armagnac  Ein Produkt mit hohem Prestige bei insidern, beim breiten Publikum aber kaum bekannt: Armagnac, der Weinbrand aus dem südfranzösischen Departement Gers, der meist in kleineren, handwerklich arbeitenden Produktionsbetrieben hergestellt wird, zählt zu den feinsten Destillaten der Welt. Er hätte ohne Zweifel das Zeug zum absoluten Spitzen- oder Luxusprodukt, wäre da nicht die Tatsache daß die Protagonisten des kleinen AOC-Gebiets fast ständig nach den Erfolgen des großen Bruders Cognac schielen und versuchen, mit diesem über den Preis in Konkurrenz zu treten.
Die Gascogne zählt zu Frankeichs reizvollsten, gleichzeitig aber auch am wenigsten bekannten landschaften. Zwischen die Pyrenäen, die Garonne und das Departement Landes eingeklemmt, rühmt sich die Gegend zwar großer kulinarischer Traditionen und besitzt auch einige der renommiertesten Restaurants Frankreichs, bekommt aber trotz seines unbestreitbaren touristischen Potentials von den großen Besucherströmen des landes allenfalls in der Hochsaison ein paar müde Rinnsale ab.
Im Herzen dieser Hügellandschaft liegt das Produktionsgebiet des Armagnac, das sich über gleich drei Departements erstreckt - Gers, Lot-et-Garonne und Landes - und mit Madiran, Cótes de Saint-Mont sowie Pacherenc du Vic-Bilh im Unterschied zum Produktionsgebiet des Cognac auch ausgezeichnete Weine hervorbringt.
Von der gleichen Beschaulichkeit geprägt, wie die Tourismusbranche des Gebiets, wirkt die Produktion des Armagnac, der als ältestes französisches Destillat gerühmt wird, im Umfeld der hochindustrialisierten Konkurrenz wie eine eher archaische Erscheinung.
Zehn Sorten und drei Zonen  Immerhin 5.000 Winzer, von denen der überwiegende Teil im Nebenerwerb tätig ist, liefern das Rohmaterial für nur knapp 10 Millionen Flaschen und eine Million liter, die als Faßware behandelt werden. m Unterschied zum Cognac-Gebiet, wo der Ugni blanc (der italienische Trebbiano) die Weinberge dominiert, gehen in die Produktion des Armagnac zehn Traubensorten ein.
Unter ihnen neben dem erwähnten Ugni blanc, hier St.Emilion genannt, zwei Sorten, die ihm qualitativ deutlich überlegen sind - vor allem die Folie blanche und der Colombard - sowie eine Hybridzüchtung, der Baco 22 A, deren (durch eine in französischen AOC-Gebieten einmalige Ausnahmeregelung) erlaubter Anbau allerdings bis zum Jahr 2010 limitiert ist.
Während der Folie blanche gemeinhin der qualitative Vorsprung des Armagnac gegenüber dem Cognac angerechnet wird, klaffen die Meinungen über den Einsatz des Baco weit auseinder: Kritikern, die den Fuchsgeschmack der Sorte eindeutig als fehlerhaft identifizieren, stehen Liebhaber gegenüber, die dem Baco die besonders charaktervolle Ausprägung so manches Armagnac zuschreiben. Ähnlich wie im Cognac-Gebiet unterscheidet man auch in der Gascogne drei Teilgebiete: das des Bas-Armagnac, das Tenarèze-Gebiet und schließlich den Haut-Armagnac.
Anders als in der Charente aber, sind diese Zonen nicht allgemein anerkannt hierarchisch klassifiziert. Zwar wird von Kennern der Bas-Armagnac mit seinen kargen Sandböden als Gebiet mit dem höchsten Qualitätspotential eingestuft, während die kalk- und tonhaltigen Böden des Tenarèze fettere, grobere Grundweine liefern, aber auch hier findet man unter Winzern, Brennern und Konsumenten durchaus kontrastierende Ansichten. Die Verschiedenartigkeit des Ausgangsmaterials wird durch die unterschiedlichen Brenntechniken, die im Gebiet verbreitet sind, noch verstärkt.
Anders als beim Cognac kommen beim Destillieren der Armagnac-Grundweine nämlich unterschiedliche Verfahren zur Anwendung. Als traditionelle Form des Brennens gilt die Anfang des vergangenen Jahrhunderts hier entwickelte kontinuierliche Destillation. Bei ihr wird der Alkohol in einem einzigen Durchlauf über fünf Teller auf 60 %vol. konzentriert (modernere Versionen dieser Anlagen brennen über bis zu 15 Teller auf 70 %vol.), was ein weniger präzises Abtrennen des Feindestillats erlaubt.
Rauher und wilder in seinem Ausgangsgeschmack :- Kümmel-, Wacholder- oder Pflaumenaromen dominieren - braucht das Destillat eine sehr lange Reifezeit im Holzfaß - Armagnac braucht neues Holz, und ohne neues Holz gibt es keinen Armagnac, sagen Fachleute -, um seinen aromatischen Reichtum zu verfeinern und zu harmonisieren.
Faßreife nötig Von den wenigen großen Cognac-Häusern, die in den siebziger Jahren im Armagnac-gebiet investierten, wurde daneben die Cognac-typische Form des Brennens in zwei Brennblasen eingeführt. Bei dieser ‘double chauffe’ wird in einer ersten Stufe nur auf 30 %vol. gebrannt, im zweiten ‘Alambic’ wird dann auf 60 bis 80 %vol. konzentiert.
Da hierbei ein präzises Trennen des Feindestillats möglich ist, liefert diese Methode Produkte, die chemisch sauberer, feinfruchtiger, schneller reif und schon kurz nach dem Brennen viel weicher und zugänglicher sind als der rauhe Alkohol des Armagnac-Verfahrens.
Nach der entsprechenden, zehn-, zwanzig oder auch dreißigjährigen Reifezeit - paradoxerweise erlaubt das französische Gesetz die Vermarktung des Armagnaes schon nach zwei Jahren, die des Cognac dagegen erst nach dreijähriger Reife - erhalten die guten Armagnac-Brenner ein Produkt, dessen Aromatiefe und Geschmacksreichtum von kaum einem Cognac je erreicht wird.
Neben den Tanninen und den Vanillearomen, die die neuen Fässer - meist von einer Tochterfirma des Cognac-Hauses Rémy, Séguin-Moreau, geliefert - dem jungen Destillat hinzufügen, spielt vor allem der Oxidationsprozep eine wichtige Rolle bei der Geschmacksboldung.
ARMAGNAC IN ZAHLEN  Das AOC-Gebiet des Armagnac umfaßt etwa 15.000 ha Rebfläche. Der Ausstoß der Destillen lag 1996 bei 1,81 Mill. liter reinem Alkohol, was etwa neun bis zehn Millionen Flaschen und einer Million Litern Faßware sowie einem Jahresumsatz von 500 bis 600 Millionen Francs entspricht.
Von den 1996 verkauften 1,95 Mill. Litern - die Produktion wird immer in reinem Alkohol angegeben, wobei das Endprodukt etwa 42 Vol. % Alkohol besitzt - gingen immerhin 779.800 liter ins Ausland. Unter den 132 Exportmarkten nimmt Japan dabei mit fast einem Sechstel eine klare Ausnahmestellung ein.
Auch der britische Markt absorbiert mit etwas über zehn Prozent des Exports noch eine beachtliche Menge, während die USA und Deutschland mit je 60.000 bis 65.000 Litern als dritt- und viertgrößter Auslandsmarkt zusammen nur etwas mehr konsumieren, als Japan alleine.
Alambic uit Armagnac
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