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Geen Europees land heeft zich in de laatste 20 jaren land
dynamischer ontwikkeld dan Spanje. Nieuwe wijnregios, jonge stijlen en oude druivensoorten harmoniseren bijzonder goed. voor individuele productie van wijn, onder meer door nieuwe definities van kwaliteitsaanduidingen bij de terroirwijnen Viņos de Pago. Spaanse wijnregios autochtone druivensoorten geplant. Velen zijn voldoende interessant om cabernet en co te vermeiden.
Wijnvakantie in Spanje.
Spaanse wijnregios richten zich steeds meer op toeristen. Landschap, geschiedenis en modern gebouwde wijnhuizen nodigen uit. Dass er möglicherweise nur wirtschaftlichen Fortschritt durch befreites, kreatives Denken im modernen Spanien verantwortlich sein könnte, hätte Generalissimo Franco im Traum nicht gedacht. Noch weniger, dass dies, und nicht sein erzkonservativer Disziplinstaat, eine Dynamik erzeugte, die Spanien in kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht geradezu vorbildlich auf den Weg ins neue Jahrtausend katapultierte. Der Tod Francos, die anschließende Rückkehr zur Demokratie und zu freiem Denken, Reden und Handeln Ende der siebziger Jahre wirkte auf die jahrzehntelang eingeschnürten und ihrer natürlichen Kreativität beraubten Spanier wie ein Befreiungsschlag. Nun durfte man endlich Neues anpacken, Phantasie ausleben, eigenständig denken, konnte reisen, lesen, lernen was man wollte. Spanische Kultur, Architektur, Mode, Gastronomie und Weinbau entwickelten sich explosionsartig. Die Wirtschaft begann zu florieren. Sicher, die Zuschüsse nach dem EU beitritt im Jahr 1986 halfen, die neugeborene Kreativität wirtschaftlich abzusichern. Aber das Geld wurde gut angelegt. Kein Land Europas erlebte jedenfalls, um beim Weinbau zu bleiben, in den vergangenen 20 Jahren eine dynamischere Entwicklung als Spanien. Wenn dabei auch Traditionen bewahrt wurden und modische Tendenzen nur manchmal über die Stränge schlugen, so ist dies einerseits ein Zeichen für den tief verwurzelten Stolz auf die eigene Geschichte, andererseits ein Hinweis darauf, dass die landwirtschaftliche Struktur des flächenmäßig größten Weinlandes der Erde gar nicht in ganz beliebigem Tempo veränderbar ist. Bei allem Willen, Neues zu beginnen, blieb immer noch genügend Zeit, um einen zweiten Gedanken an den Wert des Alten zu verschwenden.
Das Rioja-Jahrhundert.
Der Weinbau auf der iberischen Halbinsel ist mindestens so alt wie die ersten phönizischen Ansiedlungen an der Küste bei Cádiz vor über 3.000 Jahren. Als in Rom um die Zeitenwende bereits der Wein aus Hispania einen so hervorragenden Ruf genoss, dass immer mehr davon in die Hauptstadt des Weltreiches verschifft wurde, beschwerten sich die Weinbauern vor Ort bitterböse. Man wusste also schon vor 2.000 Jahren um die hervorragenden Wachstumsbedingungen für außerordentliche Weine. Der Weg ins moderne Weinland war jedoch noch weit. Er führte zunächst für mehr als ein Jahrhundert vor allem über die Rioja. Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts enge weinbauliche Beziehungen zwischen Bordeaux und der relativ nahe gelegenen nordspanischen Region entstanden, färbte die für damalige Verhältnisse weit fortgeschrittene Weinausbautechnik des Bordelais mit der Verwendung kleiner Eichenfässer auf die Rioja ab. In Verbindung mit unvergleichlichen, natürlichen Voraussetzungen eines halbatlantischen Klimas und mineralreicher Böden entstanden Weine, die über ein Jahrhundert lang den Stil des spanischen Weines prägten. Rioja war der qualitative Maßstab. Die besten Riojas wurden kaum irgendwo in Spanien erreicht, geschweige denn übertroffen. Der holzgereifte, jahrelang haltbare, würzige, dabei aber doch leichte, fein strukturierte und säurebetonte Rioja blieb stilprägend bis in die 8Oer Jahre des 20. Jahrhunderts. Rioja war neben dem Sherry der Botschafter des spanischen Weines in der Welt, und wer in Spanien selbst Gästen ihre Wertschätzung beweisen wollte, hatte gefälligst einen ordentlichen Rioja zu entkorken. Alle anderen Regionen lieferten bestenfalls preiswertere Kopien dieses Stils. Während das übrige Spanien weitestgehend von Genossenschaften geprägt war, die ihre Weine lokal oder im Fass verkauften, bildete sich in der Rioja eine recht große Gruppe privat geführter Bodegas heraus, die bereits national und international bekannte Marken entwickelten und pflegten und deren Etiketten in Spanien jedes Kind kannte.
Die neuen Tendenzen.
Diese auch wirtschaftliche Dominanz des Riojas änderte sich vor allem nach dem spanischen EG-Beitritt in immer rascherem Tempo, ohne dass Rioja deshalb uninteressanter wurde - im Gegenteil. Neue Regionen wie Ribera del Duero, Priorato, Rias Baixas, Rueda oder Toro formierten sich und gewannen internationale Reputation. Weinbaupioniere machten sich auf den Weg in die entlegensten Gebiete, um alte Traditionen, alte Lagen, alte Rebsorten, aber auch ganz neue Terroirs zu erschließen. Die Ereignisse überstürzten sich. Mehrere Tendenzen, die wir uns nachfolgend etwas genauer betrachten wollen, kamen zusammen:
Nimmt man die Einflüsse von Flusstälern, Gebirgen und Bodenformationen - von Kalk über Schiefer, Kiesel, Granit bis zu den eisenhaltigen Sand-Lehm-Böden - hinzu, so liegt nahe, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis man überall nach Möglichkeiten suchte, sich mit eigenen, geschützten Herkünften zu profilieren. Das europäische Recht bot dazu Möglichkeiten.
Neue D.O.-Regionen.
Zu Beginn der 80er Jahre, vor dem Beitritt Spaniens zur EG, gab es 29 Regionen mit D.O.-Status, darunter Rioja und Jerez als die beiden ältesten. Einige dieser Regionen verfügten über ein gewisses Profil und eine Anzahl Erzeuger, die es schon verstanden hatten, überregional zu agieren. Dazu gehörten etwa Navarra, das Penedés, Valdepeņas oder - schon alleine der Größe wegen - La Mancha. Andere, spätere Paraderegionen wie Ribera del Duero oder Rias Biaxas, begannen gerade, sich zu formieren. Viele davon hatten jedoch nur regionale Bedeutung, waren geprägt von Genossenschaften, die bestenfalls kleine Mengen an Flaschenwein füllten und die weder über nationale noch gar internationale Marken verfügten. Der Anteil des D.D.-Weines an der produzierten Weinmenge lag unter einem Drittel. Auf den riesigen, nicht durch Herkunftsgebiete geschützten Flächen wurden Altagsweine erzeugt, nicht selten auch die europäische Destillationskampagne in Anspruch genommen. Die Strukturprobleme waren unübersehbar. "Die Zukunft liegt in der Qualität und im Qualitätsweinbau", war die Erkenntnis.
In dieser Phase bewies die Region Ribera del Duero, dass man innerhalb weniger Jahre weltberühmt werden kann. Mit einem Zugpferd wie Vega Sicilia war dies vielleicht einfacher als anderswo, aber daran lag es nicht.
Das Potenzial der Region war erkannt, in Windeseile entstanden neue, qualitätsorientierte Kellereien und ein neuer Imageträger des spanischen Weinbaus, der jahrelang der Rioja schwer zu schaffen machte. Heute pflegen die beiden Regionen eine friedliche Koexistenz auf der Basis ihrer hochwertigen Produkte.
Nun gab es in vielen Teilen Spaniens Nachahmer. Neue D.O.-Regionen wie Somontano, Binissalem, oder Bierzo entstanden, in alten wie dem Priorat, Ampurdan oder Toro besann man sich der Möglichkeiten, die Rebsorten und Terroir boten. In ganz neuen Regionen wurde nach Chancen gesucht, teilweise auf der Basis einer neu interpretierten Tradition wie in Rueda oder Rias Baixas. Teilweise versuchte man ganz neue Entwicklungen zu starten und ließ vor allem ein breites Spektrum von Rebsorten zu, wie etwa in Somontano, Costers del Segre oder Ribera del Guadiana.
Diese vielen neuen D.O-Regionen, die den Bestand auf heute 71 geschützte Herkunftsbezeichnungen mit Qualitätsweinstatus erhöht haben, boten mehrere Vorteile. Sie zwangen in der Regel dazu, eine gemeinsame Identität zu schaffen: welcher Weintyp, welche Rebsorten entsprechen der Region?
Die Vorgaben wurden geschaffen und ihre Einhaltung überprüft durch das Consejo Regulador, das zugleich auch Aufgaben des Marketing übernahm. Nun, da man eine gemeinsame Identität hatte, konnte man die Region überregional bekannt machen, generische Werbung ankurbeln, für die das Außenwirtschaftsinstitut ICEX Hilfestellung in aller Welt leistete. Vorbilder und Zugpferde in den Regionen galten als gute Beispiele. Es fanden sich Nachahmer, Kollegen, junge Firmengründer und Investoren von außen, wenn die ersten Pioniere Erfolg hatten. Ribera del Duera und das Priorat waren Musterbeispiele dieser Entwicklung.
Später folgten etwa Bierzo, Montsant, Jumilla, Rueda oder Toro mit ähnlichem, leicht verzögertem Ablauf. Der Prozess ist noch lange nicht am Ende und setzt sich mittlerweile vor allem im Süden, in Castilla-La Mancha und der Levante fort.
So gewannen in den Folgejahren eine Reihe von D.O.-Regionen Statur, mittlerweile gefolgt von Vino de la - Regionen (Contraviesa-Alpujarra!) oder den neuen Regionen mit Vino de Calidad con Indicación geografica (VCIG). Das Netz der qualitativ ansprechenden Weine wurde enger, die Zahl der Toperzeuger stieg. Im Ausland, auch in Deutschland, genügt es schon lange nicht mehr, einen Rioja und einen Billigwein aus dem Süden zu führen, wenn man seinen Kunden Spanien als Alternative anbieten will. Modernisierungswelle im spanischen Weinbau: In Kellereien wie Marqués de Riscal, Alcorta, Ignacio Marin, Vina Real und Baigorri entstehen nicht nur beachtliche Weine. Auch Liebhaber moderner Architektur kommen auf ihre Kosten. Die spektakulären Bauten sind ebenso Beweis des wirtschaftlichen Erfolgs wie eine Einladung für Besucher, die bei der Weinerzeugung auch in anderer Hinsicht Geschmack verlangen. Die Moderne hält Einzug. Wachsender Export, regelmäßiger Austausch mit ausländischen Kollegen und das Bedürfnis vieler Spanier, "internatioonal offener" zu werden, brachte auch Veränderungen in Weinbau und Kellerwirtschaft sowie im präferierten Geschmack mit sich. Moderne Agronomie hielt Einzug und veränderte die Klonenselektion, die Virussicherheit und die Erziehungssmethoden ebenso wie Flächenerträge und Erntezeitpunkte. In der Kellerwirtschaft wurde zügig internationaler technischer Standard erreicht, zunächst aber vor allem die Erzeugung von Weißweinen revolutioniert. Fruchtigkeit und Frische standen nun im Mittelpunkt. Die modernen Weißen aus Rueda, Rias Baixas, Rioja oder Penedés hatten rasch auch im Inland Erfolg und haben den gefragten Geschmack inzwischen so weit verändert, dass heute auch recht säurebetonte Weißweine in den Tapasbars verlangt werden. Fast ganz verschwunden sind die oxidativ ausgebauten Traditions-Weißen. Auch beim Rotwein gab es deutliche Veränderungen in Richtung mehr Traubenreife, weniger Säure, mehr Primärfrucht, mehr neues Holz. Das wurde manchmal übertrieben, öffnete aber ein neues Spektrum des spanischen Weinbaus von jung zu trinkenden "ParkerĢ-Fruchtbomben" über strukturierte, regional- und Terroirbezogene Rote bis hin zu den eher klassisch gebliebenen Anbietern. So trugen die technischen Verbesserungen nicht nur zu einer Angleichung an internationalen Standard bei. Sie ermöglichten auch ein weiteres Auffächern der spanischen Angebotsvielfalt.
Grenzen überschreiten.
Große, in ihren Regionen dominierende Unternehmen suchen sich gerne neue Betätigungsfelder. Dabei zog es erstaunlicherweise Firmen wie Torres, Codorniu oder Freixenet zunächst ins Ausland. Doch in den vergangenen 10-15 Jahren haben Platzhirsche einzelner Regionen damit begonnen, innerhalb Spaniens mehrere Standbeine aufzubauen. Jerezerzeuger kauften sich in der Rioja ein. Rioja-Bodegas investierten in Ribera del Duero, von dort investierten andere in Toro, ein neuer Boom geht in Richtung Süden. Von dort aus haben Vinaris, Felix Solis oder Garcia Carrión auch die Prestigeregionen des Nordens abgedeckt. Doch waren es nicht nur die Großen. Mittlere, sogar kleinere Unternehmen runden ihr Portfolio mit anderen Regionen ab, weil diese eigenständige, unterscheidbare Profile gewonnen haben. In früheren Jahrzehnten namenloser Fassweine hätte dies keinen Sinn gemacht. Heute schon. Kein Wunder, dass die Überregionalen die Regelung abschaffen wollen, eine eingetragene Marke nur in einer einzigen D.O.-Region zulassen zu können. Sie möchten gerne ihren guten Namen mit mehreren Regionen in Verbindung bringen und damit überregionale Marken aufbauen können.
Weichenstellung für Individuelles.
Das Weingesetz von 2003. Das neue spanische Weingesetz hat vor allem die Staffelung der Qualitäten in der Weinproduktion erweitert, indem es zwei neue Ebenen in die QuaIitätspyramide integriert hat. Neben der neuen Spitze, ausgefüllt von Lagen- bzw. Flurweinen, ist zwischen Landweinen und Qualitätsweinen eine neue Klasse entstanden. Vinos de Calidad con Indicación geográfica könnte man als Wartesaal für die Beförderung zur D.O.-Anerkennung bezeichhnen, wobei ähnIich wie in Deutschland die QbA-Qualitäten auch diese neue spanische Qualitätsstufe schon zu den Qualitätsweinen zählt, d.h. in der Klasse der VCPRD-Weine geführt wird. Bislang gibt es nur fünf dieser Gebiete, und alle befinden sich in der Region Castilla y León. Es handelt sich hier um ehemalige Landweingebiete mit stark ausgeprägtem Profil bei Historie, Sorten und Böden wie beispielsweise Vinos de Calidad de los Arribes an den Dueroschluchten im Westen der Provinzen Salamanca und Zamora oder Vinos de Calidad de la Tierra del Vino im Süden der Provinz Zamora. Diese Weine könnten theoretisch aufgrund ihres Qualitätsweinstatus die Bezeichnunngen Crianza, Reserva und Gran Reserva tragen. Auch bei den Ausbauzeiten für Qualitätsweine generell ist nicht alles beim Alten geblieben. Die vorgeschriebenen Reifezeiten für Weine aus D.O.- bzw. D.O.Ca.- Gebieten sind zwar beibehalten worden. Eine Veränderung hat es dennoch gegeben: Für die traditionelle Königsklasse Gran Reserva sind nicht mehr 24 Monate Barriquausbau vorgeschrieben, sondern nur mehr 18. Die Gesamtreifezeit im Holz und auf der FIasche bleibt jedoch insgesamt bei fünf Jahren festgeschrieben. Man muss diese Modifizierung vor dem Hintergrund sich verändernder Geschmäcker bei den Kunden sehen. Die traditionellen Holznoten sind bekanntlich international, aber auch in Spanien selbst nicht mehr in dem Maße gefragt, wie in den vergangenen Jahrzehnten. Die Situation hat sich eher ins Gegenteil verkehrt. Der Erfolg vieler spanischer Weine auf dem internationalen Parkett ist sicherlich auch auf ihre ungetrübte und klare Fruchtigkeit zurückzuführen. Viele der Renommier Appellationen behalten dennoch die 24 Monate Holzausbau bei Gran Reservas bei.
Das spanische Weingesetz wies in des schon immer eine Besonderheit bei der Definition der Qualitätsstufe Crianza auf. Für die meisten D.O.-Gebiete galt (und gilt weiterhin) eine Mindestreifezeit im kleinen Holzgebinde von sechs Monaten zuzüglich 18 Monaten Flaschenlager.
Eine Ausnahme machte eine Hand voll Gebiete mit einer Vorgabe von zwölf Monaten Barrique und einer entsprechend reduzierten Reife auf der Flasche. Diese Unterscheidung ist auf die klimatischen Rahmenbedingungen und die Eigenschaften der Hauptrebsorten der einzelnen Gebiete zurückzuführen sowie auf die daraus resultierenden Weincharaktere. Tannine kühl gewachsener Weine benötigen in der Regel mehr Zeit, um zugänglich zu werden. Dies erklärt, dass für Crianzas aus dem Norden wie Navarra, Rioja, oder Ribera del Duero zwölf Monate anstatt nur sechs Monate Fassausbau verschrieben werden. Die wärmeren Tempranillo-Appellationen wie die D.O. Valdepenas oder der "Hotspot" Castilla y Leóns, Toro im westlichen Zentrum, gehören dagegen nicht zu den Ausnahmen. Auch die gesamte Levante und selbst das nordöstliche Penedés mit ihren warm gewachsenen Tintos müssen sich nur an sechs Monate Holz halten.
Ganz ohne Vorgabe hinsichtlich einer Mindestreifezeit wollte der Gesetzgeber auch andere Qualitätsebenen wie Vino de la Tierra nicht ins Rennen gehen lassen. Definiert sind für nicht aufgespritete Weine die Bezeichnungen noble und anejo, welche eine Reife im Holz und (oder) auf der Flasche von 18 bzw. 24 Monaten vorschreiben. Der Terminus viejo hingegen beschreibt einen mit Weinalkohol verstärkten Wein, in Spanien vino generoso genannt, mit einer oxidativen Reife von mindestens 36 Monaten.
Die wohl substanziellste Neuheit im Weingesetz von 2003 war die grundsätzliche Regulierung für eine neue Qualitätsskategorie, welche in Zukunft die Führungsrolle spanischer Weinqualitäten übernehmen soll. Die Rede ist von Lagenweinen, Vino de Pago genannt - ein Wein, der aus einer genau definierten Lage oder Flur stammen muss. Das spanische Weingesetz stellt, wie schon erwähnt, nur ein Basisregelwerk dar, welches von der Legislative der einzelnen Regionen umgesetzt bzw. angepasst werden muss. Dies hat, wie es nicht anders zu erwarten war, zu einer anhaltenden Polemik hinsichtlich der regionalen Auslegungen geführt. An der aktuellen Bilanz, was die Entscheidungsfindung in den jeweiligen Regionen betrifft, kann man ablesen, wie komplex sich die Umsetzung gestaltet. Nur wenige Regionen haben sich nämlich bislang zu einem endgültigen Entwurf, geschweige denn zu einer gesetzlich verbindlichen Verabschiedung durchringen können.
Vor einigen Monaten hat Navarra als eine der ersten Autonomien Farbe bekannt und einen endgültigen Gesetzestext formuliert. Darin ist beispielsweise die Minndestgröße eines Pagos mit zehn Hektar festgeschrieben.
Des Weiteren schreibt der Gesetzestext vor: Die Lage muss mindestens seit zehn Jahren innerhalb der Produktionsf1äche der (in diesem Fall einzigen) D.O. eingetragen sein, der Lagenname muss seit fünf Jahren kommerziell benutzt worden und die analytischen Daten besser und der Ertrag niedriger sein, als die für die herkömmlichen D.O.-Weine festgelegten Werte. Aus diesen Vorgaben kann zudem ein logischer Schluss gezogen werden: Ein Lagenwein aus Navarra ist demnach immer identisch mit einem D.O.- Wein und kann in der Comunidad Foral de Navarra nicht außerhalb einer als D.O. eingetragenen Fläche produziert werden. In anderen Regionen kann der Gesetzesrahmen durchaus anders geformt sein. In der Denominación Cava wird beispielsweise eine zweigleisige Lösung diskutiert. Als Basis dienen zwar ausschließlich die als Produktionsgebiet Cava eingetragenen Flächen. Das Gütesiegel PagoĢ soll aber möglicherweise flexibel gehandelt werden. So wäre einerseits ein Cava als traditionelle Cuvée ein anerkannter Lagenwein, wenn die Traubenpartien der verschiedenen Sorten jeweils aus einer definierten Lage kämen. Dies würde möglicherweise eine Katalogisierung von zuugelassenen "Cru-Lagen" voraussetzen. Denkbar wäre aber auch ein Schaumwein aus einer Einzellage in direkter Nachbarschaft des Weingutes, der in vielen Fällen wohl einem reinsortigen Cava gleichkäme. Man muss das Regelwerk bezüglich der Lagenweine als einen schützenden Rahmen für eine Entwicklung sehen, die vor drei Jahren, zur Zeit der Verabschiedung des neuen spanischen Weingesetzes, als "fait acomplit" bezeichnet werden muss. Lagenweine waren schon seit Jahren eine Tatsache, egal ob sie in geschützten Herkunftsbezeichnungen entstanden oder in Land- oder Tafelweingebieten. Wie so oft war die Realität dem Gesetzgeber um einiges voraus gewesen.
Wegbereiter für die Vinos del Pago:
Marques de Grinon Carlos Falco. Schon seit Mitte der neunziger Jahre hatten vor allem einheimische Weinmacher aus den unterschiedlichsten Gründen ihre Aktivitäten auf Gebiete erweitert, die zumindest auf den ersten Blick als jungfräulich galten. Ob kleine, zunächst unspektakulär wirkende Projekte oder mit enormen Investitionen verbundene Prestigeuntemehmungen: Individuelle Weine aus oft unbekannten Rebsorten sorgten für die weinbauliche Aufwertung vergessener Landstriche oder ganzer Gebiete. Nicht dass nur Spanien dieses Phänomen aufwies. In anderen, vergleichbaren Ländem zeigten sich ähnliche Entwicklungen. Mit einem Unterschied - das spanische Festland mit seinen Inseln stellte, was Geschwindigkeit und Fülle an Goldgräberprojekten anging, die gesamte europäische Konkurrenz in den Schatten. Mit der Regulierung der Lagenweine hat der Gesetzgeber einerseits einen notwendigen Rahmen geschaffen. Andererseits erweist sich das neue Weingesetz trotz oder gerade wegen der der komplexen Umsetzung in die Praxis in so mancher Hinsicht als erstaunlich vorausschauend und tolerant. Alleine die Tatsache, dass jede der 15 Wein produzierenden Regionen die Vorgaben aus Madrid an ihre speziellen lokalen Gegebenheiten anpassen darf (immer vorausgesetzt man rutscht nicht unter die Mindestvorgaben des Landwirtschaftsministeriums der Hauptstadt), zeugt von einer begrüßenswert flexiblen Grundeinstellung. Ganz neue Maßstäbe sind auch bei der Qualitätskontrolle angesetzt worden. Die Regionalregierungen können Kontrolluntemehmen aus der Privatwirtschaft beauftragen, Erzeuger von Lagenweinen und ihre Produkte zu überprüfen. Dies gilt auch für die Produktion von Vinos de Pago in D.O.-Gebieten. Erstmals wird es also möglich sein, in gewisser Hinsicht auch die Arbeit eines offiziell für die jeweilige D.O. zuständigen Kontrollrates zu überprüfen. Möglichem Dünkel im Sektor der spanischen Qualitätsweinproduktion wird somit ein Riegel vorgeschoben. Soweit kann durchaus behauptet werden, dass Lagenweine aus spanischen Appellationen zu den am gründlichsten kontrollierten Qualitätsweinen der Weit gehören werden. Die Lage ist ausgezeichnet. Fakt ist, dass in Spaniens berühmtester Rotweinappellation, der D.O.Ca. Rioja, mit dem Entstehen der großen traditionellen Häuser auch von Beginn an Lagenweine produziert wurden. Viele der berühmten Marken beruhen auf dem Namen einer Marke. Viņa Tondonia, Viņa Real, Viņa Pomal, alle beziehen sich konkret auf eine Einzellage. Erst als die Kellereien wuchsen und ihren Traubenbedarf nicht mehr mit den eigenen Lagen decken konnten, verwischte sich Lagenorientierung der Erzeuger. Erst in den achtziger Jahren entstand wieder ein Terroirbewustsein. Als Pionier gelten Bodegas Bretón, die vor 17 Jahren mit ihrem Dominio de Conte Furore machten, der aus einem 20-Hektar-Weinberg direkt an einem Ebromeander stammt. ![]() Wer glaubt, es bei diesem Wein mit einem reinsortigen Tempranillo zu tun zu haben, der irt. Dieser Vorzeigeweingarten auf Kies-Lehmboden wurde im Mischsatz bestockt. Neben Tempranillo führt er auch 20 % Graciano. Im Sinne des französischen Chàteau-Prinzips, d.h. Weine ausschließlich aus eigen n, um die Kellerei gruppierten Weinberge zu keltern, arbeitete allerdings zur damaligen Zeit schon ein anderer Produzent. Der Kellereiriese CVNE hatte sich ebenfalls direkt in einem Ebromeander eine Perle gebaut, die unter dem Namen Contino schnell berühmt geworden war. Spätestens seit der legendären 82er Reserva galt das kleine Gut als einer der Hoffnungsträger des spanischen Weinbaus. Mit dem Jahrgang 1991 zog dann ein noch relativ unbekannter Erzeuger nach und stellte einen Tempranillo aus einer Lage auf der Nordseite des Ebro vor. Heute ist der San Vicente aus der gleichnamigen Kellerei fast schon ein Klassiker. Inzwischen gibt es zahlreiche Gewächse, die aus einem einzelnen Weinberg gekeItert werden. La Vicalanda des Klassikers Bodegas Bilbainas muss ebenso erwähnt werden wie die Finca Valpiedra der Familie Martinez Bujanda, Calvario von Finca Allende, Viņa El Pisón von Artadi oder der Finca Monteviejo von Bodegas La Marquesa. Sollte die Rioja wie vorgesehen im kommenden Jahr das Regelwerk zur Zulassung von Lagenweinen verabschieden, wird es wohl eine ganze Reihe von Erzeugern geben, welche diese neue Qualitätsstufe in Anspruch nehmen werden. Große, aber auch mittlere und kleine Erzeuger sind in der Rioja schon in den Startlöchern. Es wird spekuliert, dass beispielsweise Ysios eine Lage unter dem eigenen Namen beantragen könnte. Luis Caņas (Amaren) und Heredad de Baroja mit ihrem Single-Vineyard-Wein "Lar de Paula" haben Gärkeller nur für die Produktion ihrer zukünftigen Lagenweine bauen zu lassen. Reagiert hat auch die inzwischen sehr renommierte Winzerfamiilie Eguren. Neben der Kellerei für San Vicente hat man bereits eine beeindruckende Kellerei für die zwei Topcrus El Punttido und La Nieta so gut wie fertig gestellt. Für die Superpremiums El Bosque sowie Amancio entsteht eine neue Bodega bei San Vicente de la Sonsierra. Auch am Duero haben einige Erzeuger die Lagenweinerzeugung im Fokus. Es dürfte interessant zu beobachten sein, welche Bodegas sich schließlich für einen Lagenwein entscheiden werden. Seriöse Kandidaten sind zweifellos der Vega Nachbar Finca Villacreces, der neue Star am Rotweinfirmament der D.O., Dominio de Atauta oder auch die Hacienda Monasterio am Nordufer des Flusses. In der galicischen Vorzeigeregion Rias Baixas sind vor allem kleinere Erzeuger im Gespräch. Aufgrund der Kleinteiligkeit der Anbaufläche könnten theoretisch eine Fülle von Einzellagenweine entstehen. Alles hängt von der Definition ab, welche das regionale Regelwerk dem Begriff Lage gibt. Lässt es kleine Weinberge als Lage zu, könnten Erzeuger wie Lusco oder Do Ferreiro in Frage kommen. Sollte die Bezeichnung jedoch nur größeren Parzellen zugesprochen werden, stünden Betriebe wie Pazo de Seņorans oder Pazo de Bayón zur Debatte. Ein gutes Beispiel, wie terroirbezogene Projekte für die Renaissance einer Region sorgen können, ist Andalusien. Pionier der wieder erstarkten Rotweinproduktion in Spaniens südlichster Festlandregion ist Prinz von Hohenlohe gewesen, dessen Berater Carlos Falcó, einer der Urväter und eifrigster Förderer der spanischen Lagenweinidee, schon seit Jahren internationale Weine auf seinem Gut Dominio de Valdepusa produziert. Nicht weit von Hohenlohe entfernt, ebenfalls in den Bergen von Málaga, feilt der Deutsche Friedrich Schatz seit geraumer Zeit an seinen voluminösen und intensiv fruchtigen Bioweinen, die aus seinen selbst angelegten Weinbergen stammen. Terroirbewusst arbeitet auch das spanisch-deutsche Ehepaar Isabel del Olmo und Peter Hilgard. In den luftigen Höhen der Alpujarras südlich Granadas entsteht auf dem Gut Los Barrancos ein sehr spanischer Tinto, geprägt von beeriger Temmpranillo-Frucht und amerikanischer Eiche. Ihre Toplage, welche das Lesegut für den Cerro de la Retama hervorbringt, befindet sich auf 1.300 m und ist damit der wohl höchste Weinberg des spanischen Festlandes. Spektakuläres entsteht auch bei Arcos de la Frontera. Der spanische Weinhändler und Unternehmer Vicente Taberner Carsi hat einen zweistelligen Millionenbetrag in eine völlig neu angelegte Finca mit 75 Hektar Reben investiert und sich mit einem prominenten Mitarbeiter- Team versorgt. Da sich das Gut Huerta Albalá im Einzugsgebiet der Sierra de Grazalema befindet, ist für genügend Niederschläge gesorgt. Nach umfangreichen Bodenstudien ist eine der imposantesten und wohldurchdachten Neupflanzungen Andalusiens entstanden. Auf jungfräulichen Lehm-Kalk-Böden stehen internationale Rebsorten. Der erste mit Spannung erwartete Wein wurde im Juli freigestellt. Es handelt sich um einen rebsortenreinen Syrah der Marke Taberner mit acht Monaten Barriqueausbau des Jahrgangs 2005. Der Premium Taberner No. 1, ebenfalls ein Syrah, wird für Januar des kommenden Jahres erwartet. Obwohl Andalusier, Kastilier,ja selbst Levantiner im heißen Südosten des Landes beeindruckende Terroirprojekte vorweisen können, liegt der Ursprung dieser Bewegung erstaunlicherweise im Zentralgebiet. La Mancha, wie die weiten Hochebenen der südlichen Meseta genannt werden, weist heute mehr aufregende Weinprojekte dieser Art auf, als alle anderen Regionen des Landes. Ob innerhalb der traditionellen D.O.-Gebiete oder abseits der ausgetretenen Weinrouten, überall versuchen sich Weinmacher an neuen "Finca-Weinen". Pionier der Pioniere ist natürlich Carlos Falcó, bekannter unter seinem Titel Marqués de Grinon. Ohne ihn hätte das spanische Terroirbewustsein sicherlich später eingesetzt, und ohne ihn ist der ganz eigene Weg, den die Regionalregierung hinsichtlich der Legitimation von "pagos" gegangen ist, nicht denkbar. Schon vor der gesetzlichen Verankerung von Lagenweinen im Juli 2003, hatte der Landwirtschaftsrat von Castilla-La Manncha einen Weg gefunden, den Pioniergütern, die außerhalb abgesteckter D.O.-Gebiete Terroirweine produzierten, einen offiziellen Status zu verleihen. Spaniens Weingentleman Carlos Falcó mit seiner Finca in Toledo, der intellektuelle Schützenhilfe geleistet hatte, profitierte ebenso davon wie Manuel Manzaneque mit seinem Hochlandgut Finca Élez in Albacete. Beide erhielten eine eigene D.O.-Anerkennung. Die Region der südlichen Meseta signalisierte damit, welche Bedeutung sie in Zukunft den Lagenweinen zumessen würde und gab der Terroirbewegung noch einmal richtig Schub. ![]()
Rebsorten: Die eigenen Wurzeln
Eine wertvolle Erbschaft der 3.000 jährigen Tradition des spanischen Weinbaus heißt Tempranillo, Monastrell, Mencia, Albariņo, Verdejo & Co .. Mehrere hundert autochthone spanische Rebsorten sind nachgewiesen. In einer Welt des Weinbaus, die verstärkt immer gleiche Rebsortenweine aus aller Herren Länder auf den Markt wirft, ist dies ein Kapital, das die Möglichkeit bietet, ganz anders zu sein, konkurrenzlose, einzigartige Idendität zu bieten. Während Fachautoren in aller Welt sich über zunehmende Uniformität beim Weingeschmack beschweren, weil Weine aus verschiedenen Ländern, ja aus verschiedenen Erdteilen, oft nicht mehr geschmacklich zu unterscheiden sind, bleibt Spanien bei seinen traditionellen Sorten. In vielen Weinregionen werden die gleichen international bekannten Rebsorten angepflanzt. Wer Besonderheiten, wer nicht Alltägliches sucht, muss auf Herkünfte ausweichen, die eigene, autochthone Rebsorten besitzen und pflegen. Spanien gehört dazu. Hier verhindern abwechslungsreiches Terroir, eigene Sorten und eine alte, doch lebendige Weinbautradition die langweilige Gleichma
Nach wie vor stehen auf weit über 90% der mehr als eine Million Hektar Rebfläche Spaniens ausschließlich spanische Rebsorten.
Mehrere hundert, teilweise nur lokal auftretende Sorten, sind bekannt. Etwa zwei Dutzend davon sind so bedeutend, dass sie eine Fläche von 5.000 oder mehr Hektar erreichen. Dazu gehören weiße Sorten wie Airén, Pardillo oder Chelva, die vor allem preiswerte Alltagsweine oder Verschnittweine hervorbringen können. Die vor allem in Castillla-La Mancha dominierende Airén ist ein Beispiel dafür, dass diese traditionellen Sorten auch Strukturprobleme provozieren können. Manche von ihnen passen zumindest in den vorhandenen Flächenumfang - nicht in den modernen Markt. Doch das Positive überwiegt bei weitem. Auch hier war es ein großes Vorbild, das den Takt vorgab: der Tempranillo.
Die rote Rebe besitzt alle Eigenschaften einer großen Sorte: entschiedener Ausdruck des Terroir, jahrzehntelanges Reifepotenzial in der Flasche.
Jancis Robinson sagt über die mittlerweile auch in der Anbaufläche wichtigste spanische rote Rebe: "Lässt man Rioja als Spaniens Bordeaux und Burgund in einem gelten, dann muss man die berühmte Tempranillorebe als Vereinigung von Cabernet Sauvignon und Pinot Noir betrachten." Tempranillo berge die positiven Eigenschaften sowohl des Pinot Noir wie des Cabernet Sauvignon in sich. Größter Vorteil ist bei aller Vielfalt die ausgeprägte Harmonie. Die bei jedem Wein notwendigen Komponenten wie Aromen, Struktur, Tannine und Säuren scheinen wie von Meisterhand ineinandergefügt, mal den einen, mal den anderen Aspekt betonend. Tempranillo stammt aus der Gegend der heutigen Rioja und hat demzufolge "atlantischen Charakter": kleinere Trauben, kleinere Beeren und Schalen, die reich an Polyphenolen sind, besser geeignet für Holzausbau und längere Flaschenreife als andere, von südlich-warmem Klima geprägte Sorten.
Im Anbau liebt Tempranillo kalkhaltige Böden und ist in der Lage, in kühleren Regionen auch bei relativ niedrigen Alkoholgehalten biologische und geschmackliche Reife zu erreichen.
Er steht in Spanien auf über 200.000 Hektar Rebfläche und erfreut sich weltweit höchster Anerkennung. In ihren Paradegebieten Rioja, Ribera del Duero und Toro zeigt er Jahr für Jahr mit vielschichtigen Weltklasse-weinen sein enormes Qualitätspotenzial. In den vergangenen zehn Jahren haben vor allem junge Kellermeister die verschiedensten Regionen Spaniens durchforstet und festgestellt, dass teils fast vergessene, teils unterschätzte Sorten wuchsen, die bei entsprechender Behandlung in Weinberg und Keller ebenfalls grandiose, charaktervolle Weine ergeben.
Seitdem steht die Tempranillorebe nicht mehr ganz alleine auf weiter Flur.
Die große, rote Qualitätssorte der mediterranen Seite Spaniens heißt Monastrell. Sie wird vor allem in der Levante angebaut, hat sich schon früh auf den Weg nach Frankreich gemacht (franz. Name: Mourvèdre). Ihre Stärken bei erdigen, aber auch geschliffenen Aromen entwickelt sie mit farbintensiven, reifen, fleischigen und fruchtsatten Roten, die manchmal auch im Portweinstil süß ausgebaut wurden. Dass sie beachtliche trockene Weine ergeben kann, beweist sie im Bandol ebenso wie in Jumilla, Almansa, Alicante oder Yecla, wo Erzeuger wie Castaņo, Seņorio de Barahonda, Julia Roch a Hijos, Agapito Rico, Luzón, Casa de la Ermita oder El Nido die behäbigen, alkohollastigen Weine früherer Jahrzehnte vergessen lassen. Monastrell ist die viertmeist angebaute Rotweinsorte Spaniens mit rund 65.000 Hektar.
In den Montes de León, an der Grenze zu Galicien, wächst die Mencia, der eine enge genetische Verwandtschaft zur Cabernet Franc nachgesagt wird.
Sie benötigt nicht zu heißes Klima und genügend Wasser, dann kann sie je nach Terroir ihre Stärken ausspielen. Mencia reagiert stark auf Boden und Klima. Die interessantesten Weine wachsen auf den hoch gelegenen Schieferhängen der D.D. Bierzo. Dort zeigen die Weine von Erzeugern wie Dominio de Tares, Desc. de J. Palacios, Castro Ventosa, Peique, Paixar oder Pittakum bei niedrigen Erträgen ungemein mineralische, charaktervolle und kompliziert strukturierte Art. Ganz anders - saftiger, runder und fleischiger - fällt Mencia auf den kräftigen Böden in Flusstälern aus.
Aber auch hier zeigen Erzeuger wie Estefania, dass Mencia nicht unbedingt auf Schiefer angewiesen ist.
Nicht zu vergessen sind auch Sorten, die man lange Zeit unterschätzte, wie die Bobal der Levante oder die Garnacha, die langsam aus dem Schatten der Tempranillo heraustritt, wo sie lange als kleiner Verschnittpartner gestanden hatte. Von beiden Rebsorten gibt es jeweils rund 90.000 Hektar Flächen. Weltklasse ist der Bobal von Mustiguillo, während in Katalonien (beispielsweise D.D.Ca. Priorato, D.D. Montsant) oder in der D.D. Campo de Borja die Garnacha beweist, dass sie mehr kann als alkoholreiche, einfache Weine. Besondere Beachtung verdienen unter den roten spanischen Sorten einige Talente, deren Fähigkeiten vielleicht noch gar nicht ganz ausgelotet sind. Beispiele sind Graciano oder Prieto Picudo.
Wie Tempranillo, so stammt auch der spät reifende Graciano aus der Rioja.
Viele Weinmacher sehen in dieser eher säureebetonten, aromatischen und strukturiert-kantigen Rebsorte einen optimalen Partner des Tempranillo, denn enormes Reifepotenzial und höchste Qualität haben auch diese Weine. Sie können einem Verschnitt viel Finesse geben. Die Bodegas Contino bei Ijalba füllen sogar sortenreine Weine ab, demnächst auch Marqués de Griņion in der D.D. Dominio de Valdepusa. Die Rebe gilt als schwierig im Anbau und war deshalb fast verschwunden. Sie wird erst in jüngeren Jahren wieder verstärkt angebaut und wird demnächst die 1.0000 Hektar-Grenze überschreiten. Sie ist zweifellos einer der Geheimtipps unter den spanischen Spitzensorten.
Prieto Picudo ist eine im übrigen Spanien fast vergessene Sorte aus der Gegend von León, von der nicht nur der bekannte spanische Önologe Gonzalo Rodriguez sagt, sie sei eine der besten des Landes.
Derzeit gibt es zwar etwa 7.000 Hektar dieser Rebe mit nicht sehr alkoholstarken, aromatischen Weinen. Aber erst kürzlich wurden erste Weine sortenrein abgefüllt. Die Bodegas Otero in der VCIG-Region Valles de Benavente haben aus dem Jahrgang 2004 erstmals einen beachtlichen, sortenreinen Roten gefüllt. Mit Weißweinen war Spanien lange Zeit weniger ambitioniert als andere Länder. Das hat sich geändert, spätestens seit Albariņo und Verdejo als hochwertige Sorten erkannt wurden. Inzwischen weiß man, dass die beste Rebsorte der D.D. Rueda, Verdejo, mit ihren kräuterig und nach frischem Gras duftenden Weinen und ihrer feinen Säure internationale Klasse hat.
Sie ist in der Lage, die Mineralität des mit Kiesbrocken übersäten Terroirs excellent auszudrücken. Mit knapp 6.000 Hektar ist sie in Rueda wichtig, aber insgesamt nicht sehr weit verbreitet.
Als erste weiße Sorte Spaniens machte die galizische Albariņo vor einigen Jahren Furore im Ausland. Sie bringt samtige, weiche und körperreiche Weine, die je nach Ausbaustil und Terroir sehr unterschiedlich ausfallen können. Fast 5.000 Hektar stehen in Galicien, aber nicht nur in der prestigeträchtigen D.D..Region Rias Baixas. Moscatel liefert in jüngster Zeit unter anderem in Navarra hervorragende Süßweine, Macabeo (Viura) hat mit den leider fast verschwundenen weißen Gran Reservas der Rioja schon vor Jahrzehnten seine große Klasse und schier unbegrenzte Haltbarkeit bewiesen. ![]() Weinurlaub in Spanien. Spanien ist ein Weinland par excellence und bietet einige der abwechslungsreichsten Weinkulturlandschaften der Welt. Das Angebot für weininteressierte Spanienreisende könnte nicht variabler sein. Einer der Ausgangspunkte für die europäische Weinentwicklung ist beispielsweise das Gebiet um Jerez de la Frontera in der Provinz Cádiz in Andalusien. Hier wandelt man nicht nur auf den Spuren der Phönizier, die als erste vor über 3.000 Jahren kommerziellen Weinbau betrieben. Jerez ist auch mit aller Wahrscheinlichkeit die Wiege der europäischen Destillate. Die arabischen Besatzer installierten dort die ersten Destillerien auf europäischem Boden. Wen wunderts also, dass die drei Sherry-Hochburgen Jerez de la Frontera, El Puerto de Santa Maria und Sanlucar de Barrameda auch die Heimat der wunderbar weichen Brandys der Jerez sind. Dieses so genannte Sherrydreieck bietet Meer, Sonne und weitgehend vom Massentourismus verschont gebliebene Altstadtkerne. Doch das eigentlich Besondere ist die Stadt Jerez selbst. Andere Weingebiete müssen über ausgedehnte Fahrten erkundet werden. Jerez und seine Weine können in einer spektakulären und einmalig kompakten Tour durch die vielen Kathedralen des Sherry-Weines innerhalb des Zentrums erschlossen werden.
Nirgendwo liegen prachtvolle Kulturdenkmäler und mindestens ebenso Aufsehen erregende Kellereien so dicht beieinander.
Wer seinen Aktionsradius ausdehnen möchte, dem bietet Andalusien noch eine Fülle von weiteren sehenswerten Weinzielen. Man denke nur an die Berge van Málaga. Ein interessantes Spektrum an modernen, kleinen Kellereien hat sich in den letzten Jahren dort entwickelt. Eine Tour durch die einzigartige Berglandschaft um das berühmte Städtchen Ronda ist deswegen ein Muss. Ein neues Ziel für Weinreisende ist die spanische Levante. Die Region Murcia steht für uralte Weinbautradition und unberührte Landschaften im gebirgigen Hinterland. Hier gilt es Touren durch wildromantische und nur sehr dünn besiedelte Landstriche im Westen von Murcia zu unternehmen und die abgelegenen Haciendas mit ihren uralten Weinbergen zu besuchen. Ein fantastischer Ausgangsspunkt ist das Weinhotel von Bodegas Luzón in der D.D. Jumilla, aber auch das Städtchen Yecla mit seiner gleichnamigen D.D. lässt einen den Trubel der Küstenregion auf angenehme Weise vergessen. Wer Geschichte, Weintourismus sowie eine spirituelle Erfahrung der besonderen Art miteinander verbinden möchte, dem sei der Jakobsweg ans Herz gelegt. Wie die Perlen an einer Kette reihen sieh links und rechts des Weges die Weingebiete Nordspaniens. Es geht durch die lieblichen Landschaften Navarras direkt durch die gleichnamige Appellation, um direkt in die Rioja überzugehen. ![]() Dann führt der Weg über die endlosen weiten Kastiliens durch malerische Dörfer und uralte Kulturlandschaften. Man durchquert als touristischen und weintechnischen Geheimtipp die D.D. Bierzo und zieht weiter gen Galicien, dem spanischen Weißweinparadies. Wer sieh auf eine Region konzentrieren möchte, dem sei eine Reise empfohlen zu den großen Weinen des spanischen Nordens nach Castilla y Léon sowie natürlich in Spaniens prominenteste Rotweinapppellation, der D.D.Ca. Rioja. Die renommierte Ribera del Duero kann auf ein kleines, aber qualitativ sehr hochwertiges Angebot an kleinen Hotels und Weingütern mit teilweise sehr luxuriösen Übernachtungsmöglichkeiten verweisen. Als Ausgangspunkt für eine Exkursion durch die D.D.s und Landweingebiete des alten Königreiches kann man zudem auf die Posdadas Reales der Region zurückgreifen, sowie auf die drei komfortablen Bodega-Hotels, welche die Weingruppe Arco United Wineries im Zuge ihrer Haciendas-de-Espaņa-Initiative eröffnet hat. Die Weingebiete von Castilla y León lassen sieh auch insofern bequem besuchen, als dass die jeweiligen Provinzhauptstädte über eine hervorragende Touristikinfrastruktur sowie spektakuläre Baudenkmäler verfügen. Der Westen mit den VCs de los Arribes und Tierra del Vino sowie den D.O.s Toro und Rueda lassen sieh hervorragend von Salamanca und Zamora aus besuchen. Beide Städte sind gespickt mit Sehenswürdigkeiten. Zwischen Valladolid und Soria erstreckt sieh die Ribera del Duero und weiter im Nordwesten dient die Romanikstadt León als Aussgangspunkt für den Bierzo sowie die VC Tierra de León. Seit der Eröffnung des Frank-Gehry-Gebäudes von Marqués de Riscal ist die Rioja mehr denn je in allen Medien. Architektur, Landschaft und große Weine lassen keine Wünsche offen. Seit 1994 besteht ein Zusammenschluss aus Weinstädten des spanischen Festlandes und den InseIn (Asociación Espaņola de Ciudades del Vino) zur Entwicklung und Förderung des Weintourismus. In Zusammenarbeit mit der zentralen Tourismusgeschäftsstelle in Madrid sollen insgesamt 17 Weinrouten entstehen, von denen acht (La Mancha, Jumilla, Montilla-Moriles, Penedés, Somontano, Riás Baixas, Rioja Alavesa und Utiel-Requena) inzwischen funktionieren. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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De Weinschenker2004 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||