Een wijndagboek met uitvoerlijke, duidelijke beschrijvingen van werkzaamheden in de wijngaarden. 2de van 6 deelen: Snijden, buigen en binden Deel 1: De eerste Riesling en wijn oogsten Deel 3: De wijnlagen en onweer met hagel Deel 4: Uitdunnen of de "groene oogst" en planten van Franse Spätburgunder Deel 5: Nog meer "Groene oogst" en "Buigen en Binden" Deel 6: Wie ein Wein wird, was er ist Wenn es um den Rebschnitt geht, habe ich immer die künstlerisch gestalteten Kiefern in japanischen Gärten vor Augen Der Ausblick von dort oben auf das Rheintal, mehr als 50 Meter über dem Meeresspiegel, gibt demjenigen, der dort mit dem Donnersberg im Rücken steht, ein frisches, befreites Gefühl. "Vielleicht liegt es an dieser weiten Landschaft mit ihrer guten Fernsicht, dass die Menschen hier heiter und offen sind," sagte Klaus dazu einmal. Wenn es um das Beschneiden von Pflanzen geht, habe ich normalerweise sofort die künstlerisch gestalteten Kiefern in japanischen Gärten vor Augen oder erinnere mich daran, wie mein Vater an freien Tagen unsere Hecke akkurat auf Kastenform trimmte. Der Rebschnitt dagegen ist eine wichtige Arbeit, mit der der Ertrag der nächsten Ernte festgelegt wird. Dabei lässt man nur einen oder zwei einjährige, gesunde Triebe, die aus einem zweijährigen Trieb entspringen und weder zu dick noch zu dünn sein dürfen stehen. Diese Triebe nennt man das ‘Fruchtholz’, denn sie sind es, die Trauben tragen werden. Je nachdem, wieviele “Augen” (Knospen) man am Fruchtholz stehen lässt, fällt der Ertrag aus. Das heisst schon hier kann man bestimmen wieviel man Ernen wird. Um die Erntemenge zuverlässig voraussagen zu können, ist es erforderlich die entsprechende Anzahl von Augen pro Quadratmeter zu berechnen. Wichtig für die Durchführung des Rebschnitts ist es demnach, die entsprechende Augenzahl pro Rebstock zu ermitteln. Die Dichte des Rebbestands ist häufig von Weinberg zu Weinberg unterschiedlich, denn sie hängt von Faktoren ab wie zum Beispiel der Weingutspolitik oder der Zeit, in der die Rebstöcke gepflanzt worden sind. In der bitteren Kälte im Weinberg aber zählte niemand so genau die Augen, die er stehen liess: Soviel musst du etwa übri’g lassen. ... "In diesem Weinberg muss der Trieb etwa so lang sein, dass er bis zur obersten Draht reicht." – Klaus' Anweisungen lauschend, lernte ich mit dem Gefühl, nicht mit dem Verstand, in welche Länge ich einen Trieb kappen musste. Je nach Rebsorte ist der Abstand von einem Auge zum anderen unterschiedlich, deshalb kann die Länge von zwei Trieben bei gleicher Augenzahl sehr verschieden sein. Beim Riesling beispielsweise lässt man pro Quadratmetern sechs Augen stehen. Bei H.s steht eine Rieslingrebe auf zwei Quadratmetem, woraus sich ergibt, dass man pro Rebe 12 Augen stehen lässt. Obwohl Klaus sehr schnell und ohne zu zählen schnitt, blieb an jedem Rebstock genau die erwünschte Zahl Augen stehen. "Das ist ja wie Ikebana" Die Triebe beim Rebschnitt zu kurz schneiden, ist auch nicht gut. Jeder Trieb braucht für sein Wachstum einen gewissen Spielraum. ‘Wenn man von Anfang an mit dem Ehrgeiz, die Erntemenge stark zu beschränken, um hoch konzentrierte Trauben zu erhalten, die Triebe zu stark kürzt, geht umgekehrt zuviel Energie in die kurzen Triebe. Die Emtemenge lässt sich vor der Blüte bis zu der Zeit, wenn die Rebstöcke Trauben tragen, noch jederzeit beschränken. In der ersten Wachstumsphase ist es dagegen sehr wichtig dass die Reben Spielraum haben. Reben sind schliesslich auch Lebewesen und dürfen daher nicht zu sehr eingeengt werden. Auch wenn der Rebschnitt sehr rhytmisch und scheinbar unbekümmert erfolgt, gibt es doch viele andere Punkte auf die man dabei sehr genau achten muss. So ist es beispielsweise wichtig, die Triebe auszusuchen, die gesund und dem Stamm möglichst nahe sind und in die gewünschte Richtung wachsen, um das spätere Anbinden an den Drahtrahmen so einfach wie möglich zu machen. Wenn man nur einen Trieb stehen lässt, lässt man zusätzlich, um für den Fall, dass dieser durch Spätfrost in Mitleidenschaft gezogen wird, noch einen Ersatztrieb mit nur einem Auge übrig. ![]() Dieser Ersatztrieb muss in einem Winkel geschnitten werden, der verhindert, dass Regen, Tau oder Saft der Pflanze von der Spitze des Triebs auf das einzige Auge laufen kan. Denn es wäre fatal, wenn bei plötzlichem Frost das einzige Auge des Ersatztriebs vereisen würde. Die abgeschnittenen Triebe müssen dann aus dem Drabtrahmen entfernt und in die Flure zwischen den Rebzeilen geworfen werden, durch die der Traktor fáhrt. Diese Triebe werden später mit dem Traktor gehechselt und dienen als Dünger. "Das ist ja wie Ikebana ..." Vor jedem Rebstock, der sich unmerklich von allen anderen unterschied, fragte ich mich (wie bei Ikebana mit Pfirsich- oder Pflaumenzweigen), was wohl am besten wegzuschneiden wäre, um ein möglichst gelungenes Gesteck zu erzielen. Als Klaus sah, wie ich mich dort auf dem Blumenweg nur langsam und abwägend mit der Arbeit voran bewegte, kam er sofort zu mir. "Junko, es kommt aufs Gefühl an, aufs Gefühl. Es macht gar nichts, ob es ein Auge zuviel oder zu wenig ist. Mach dir keine Gedanken und schneide einfach." Für Klaus hatte es bestimmt so ausgesehen, als hätte ich Angst vor dem falschen Gebrauch der Schere gehabt. Erstaunlicherweise ging es tatsächlich besser und schneller als erwartet, als ich einfach drauf los schnitt, wie Klaus es mir empfohlen hatte. Zuletzt nach dem Rebschnitt mussten die Triebe an die Drahtrahmen gebunden werden. In der Zeit von Januar bis März gibt es sehr viel zu tun, was mich damals noch überraschte. Denn die ersten fertig vergorenen Weine müssen in Flaschen abgefüllt werden, während gleichzeitig der Rebschnitt erledigt werden muss und die Triebe dann angebunden sein wollen. Das Weingutt hat 12,5 Hektar Weinberge, auf denen 75 000 Rebstöcke stehen. Es arbeiten auf dem Gut aber nur fünf Mitglieder der Familie und drei Lehrlinge. Deshalb ist der Winter auf dem Weingut eine genauso geschäftige Zeit wie der Rest des Jahres. Flachbogenerziehung.. erleichtert alle weiteren Arbeiten enorm, weil die Trauben alle in der gleichenHöhe wachsen. Wenn Regen die Arbeit im Weinberg unmöglich machte, füllten wir im Keller den neuen Wein auf Flaschen. An trockenen Tagen aber gingen alle in den Weinberg. In dieser Zeit, in der man vom Wet- ter bestimmt mal in der ersten Phase des neuen Weinjahres und dann wieder in der letzten Phase des alten Weinjahres arbei- tet, ffihlt man, wie sich der jahreszyklus schliegt. Das Befestigen der geschnittenen Reben am Drahtrahmen nennt man Biegen, weil die Triebe gegebenenfalls dazu gebogen werden müssen. Diese Arbeit dient dazu, die Reben entlang des Drahtrahmens wie ein Hecke wachsen zu lassen. Man wickelt dabei den einjährigen Trieb um den untersten Draht des dreistufigen Rahmens und bevestigt seine Spitze dort mit Bindegarn. Wichtig bei dieser Arbeit ist es, dafür zu sorgen, dass der Trieb am Draht so bevestigt wird, dass er sich an ihn möglichst eng anlegt. Sonst nämlich würde sich dieser Trieb. wenn er, später Trauben trägt, unter deren Gewicht vom Drahtrahmen lösen. Nach dem Biegen sehen die Reben, bei denen man nur einen Trieb hat stehen lassen, so aus wie ein auf dem Kopf stehendes L. Diese bei hier angewandte Methode, bei der die Triebe am Ende etwa im rechten Winkel zum Stamm stehen, nennt man »Flachbogenerziehung«. Die Triebe in den rechten Winkel zu biegen, ist ziemlich schwierig. Aber diese Erziehung erleichtert alle weiteren Arbeiten enorm, weil die Trauben alle etwa in der gleichen Höhe wachsen. Zusätzlich sorgt das Biegen dafür, dass der Pflanzensaft durch den etwa parallel zum Boden liegenden Trieb sehr gleichmäßig fließt. Dieses Aufbiegen findet zu einer Zeit statt, in der man das Nahen des Frühlings spürt. Es gibt Tage, an denen man Schnee fallen sieht, aber auch Tage, an denen man schwitzt. Die Zeiten nach Regenfällen sind für diese Arbeit besonders geeignet, weil die Triebe durch die Feuchtigkeit geschmeidig werden. Umgekehrt sind die Triebe bei längeren Trockenperioden unflexibel und werden brüchig. Wenn ich sah, wie die anderen beherzt und gleichzeitig doch vorsichtig die Triebe bogen, machten die Triebe für mich geradezu einen elastischen Eindruck wie Gummi. Obwohl wir alle zur selben Zeit und auf gleicher Höhe begonnen hatten, fiel ich mehr und mehr zurück. Wenn der Rebschnitt schon schwierig gewesen war, war das Biegen zumindest keinen Deut einfacher. Die Arbeiten erinnerten mich schr an meine Erfahrungen im Ikebana. lch war sehr angespannt, weil ich aus eigener Anschauung wusste, wie leicht ein Zweig brechen konnte, den man in eine schöne Form zu bringen versuchte. Wenn beim Biegen das Rebholz knirschte fühlte ich mich deshalb jedesmal so, als wäre ich auf eine Mine getreten: Hält er oder bricht er im nächsten Moment? Beim Biegen beziehungsweise beim Anbinden muss man aber vor allem darauf achten, dass kein Auge des Triebs Kontakt mit dem Draht des Rahmens bekommt, weil sonst dieses Auge dadurch zerstört würde. Weil aus den wenigen, übrig gelassenen Augen die später Trauben tragenden Triebe wachsen, bekommt man einen gehörigen Respekt und behandelt sie entsprechend vorsichtig. Bis ich mich vollends an diese Arbeit gewöhnt hatte, die viel mehr Konzentration erfordert als mein Ikebana, stand der Frühling vor der Tür... Stuermische wijndagen Wieviele Weinberge die Kellers haben und wo diese liegen, entzog sich am Anfang vollkommen meiner Vorstellung. Für die Winzerfamilie gehört die verstreute Lage ihrer Weinberge zum Alltag; den Weg zu den Reblagen legten sic jedesmal zielsicher wie mit verbundenen Augen mit ihrem VW-Bus zurück. Wo immer Sie ihr Gefährt auch parkten, reihte sich eine Weinbergslage lückenlos an die nächste, und die Rebzeilen fügten sich in stets gleichem Abstand aneinander. Für mich war es überhaupt nicht zu überblicken, wo ein H.'scher Weinberg anfängt und wo er endet. Hinzukam,dass man jetzt zur winterzeit nicht einmal erkennen konnte, um welche Rebmsorten es sich handelte. In den inneren rheinhessischen Weinbergen, die wie ein einziges großes Rebenmeer wirken, trifft man kaum auf Zäune, Mauern oder Schilder, die den Besitzer eines Weinbergs ausweisen. Es gibt lediglich einige Weinberge, auf denen die Pfeiler der Drahtrahmen mal rot, mal blau mit Farbe markiert sind. Unter den Einheimischen werden diese Markierungen, die den Eigentümer eines Weinbergs bezeichnen, verstanden. Aber für den Unbeteiligten ist das völlig unmöglich. Manchmal soll es sogar vorkommen, dass Winzer aus Versehen einen benachbarten Weinberg an Stelle des eigenen bestellen. So passierte es im Herbst 1999 dass der Riesling, den der Lehrling Stefan auf seinem eigenen Weinberg mit viel Mühe angebaut hatte, vom Nachbarn geerntet wurde. Zwar erhielt er eine Entschädigung, war aber natürlich trotzdem sehr niedergeschlagen. Am Fuß jenes Hügels fünf Reihen, am Südhang da drüben zehn Reihen ... 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