DR. HINKEL: Der neue Weinjahrgang 2008Das Jahr 2008 war ein durchaus ungewöhnliches Weinjahr. Ein Winter mit nicht zu tiefem Frost und ohne Schaden, dann ein später Austrieb erst Ende April mit gutem, gleichmäßigem Wachstum der Triebe, beschleunigt durch den sommerlich warmen Mai. Die Rebblüte setzte dann bereits vor der Monatsmitte Juni ein, und wurde bei herrlichem Wetter in kürzester Zeit gut durchlaufen. Schon wurden wieder Prognoses für eine frühe Lese laut. Aber der Sommer, der - fast - keiner war, Regen und recht kühles Wetter in Deutschland brachte, dämpfte dann die Erwartungen. Wir wurden dieses Jahr für den hohen Aufwand im Weinberg- mit unseren grundsätzlichen Maßnahmen, Entlaubung und Handheftarbeit durch eine sehr gute Traubengesundheit belohnt. Nur das Ausdünnen brachte bei diesen Wetterkapriolen nicht immer den gewünschten Effekt. Ein halbwegs ordentlicher 'Altweibersommer', vor allem aber sehr kühle Nächte, ließen uns dann mit ganz viel Ruhe in über 6 Wochen die diesjährige Ernte einbringen. Der 2008er wird ein Jahrgang, der gerade im Bereich der meistgetrunkenen Sorten viel Freude bereiten wird, die Spitzen sind rar. Eiswein gibt es bei uns nicht, wird aber in manchem Weingut aus der Not heraus, um die Hektarhöchstertragsgrenzen einhalten zu kunnen, in beträchtlichem Umfang erzeugt werden, wenn es denn kalt genug werden wird. Die frühen, weißen Sorten waren sehr gesund und konnten in der zweiten Septemberhälfte vollreif eingebracht werden. Meine Favoriten sind die Rivaner und Müller-Thurgau in allen Geschmacksvarianten, und auch Bacchus und Würzer erbrachten zarte, feine Bukette hervor. Ortega glänzt mit einer opulenten, reifen Auslese. Der 2008er Spitzenwein ist eine großartige Huxelrebe Beerenauslese mit 136° Oechsle und sehr schönem Fruchtbukett. Als wüsste die Rebsorte, dass im kommenden Jahr das Jubilaum '350 Jahre Silvaner in Deutschland' ansteht, hat die Traditionstraube 2008 besonders viel Freude gemacht. Rasse und Klasse, aber auch bemerkenswerte Dichte und Filigranität zeichnen dieses Jahr die Silvanerweine aus, wahre Musterstücke, die viele Menues bereichern werden. Bei den später reifenden, weißen Sorten zog sich die Lese bis Ende Oktober, mit teilweise enormen Resultaten. Riesling als kräftiger, mit harmonischer, merklicher Säure ausgestatteter, trockener Qualitatswein ist sehr eindrucksvoll, auch die Spätlesen haben beträchtliches Reifepotential. Weissburgunder brachte wieder den sehr gut eingeführten Classic-Typ, übrigens wie viele andere 2008er in unserem Weingut handgelesen. Sehr schön ist dieses Jahr der Grauburgunder, als Besonderheit haben wir hier biologisch die Fruchtsäure reduziert, um mehr an die Vorgängerjahre anknüpfen zu können. Vom Chardonnay schließlich werden wir wieder den beliebten feinherben Qualitatswein und auch eine herzhafte, kräftige Spätlese, die im Barrique vergoren wurde, zeigen. Die roten Sorten machen mir besonders viel Spaß. 2008 ist nicht nur ein Jahr für besonders fruchtige Weissherbst Weine, sondern auch für sehr kräftige, farbintensive Rotweine. Dornfelder, Regent und Portugieser sind richtig gut, der Tipp schlechthin ist aber ein fulminanter St. Laurent, der beste, den wir bisher im Keller hatten! Dr. Roland Hinkel Dipl. Landwirt und Dipl. Weinbau Ing. Dipl. agr. Biol. Hedda Hinkel Weingut Dr. Hinkel Framersheim Kirchstraße 53 Telefon 0049-6733368 Fax. 0049-67331490 e-mail: weingut.dr.hinkel@t-online.de http://www.weingut-dr-hinkel.de | |||
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