De Weinschenker

Ein Württemberger im Bordelais
Stephan Graf von Neipperg

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Een bijzondere referentie: Samtrot, Graf Neipperg, Württemberg
De Duitse wijnen van Graf Neipperg
Château Canon La Gaffelier bij De Weinschenker

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Neue Zürcher Zeitung, Samstag, 08.07.2000 Nr.157:
Der 96er 'Château La Mondotte' begeisterte auf Anhieb. Man sprach von einem Château Pétrus oder Château Le Pin aus Saint-Emilion. Und der Chef von La Mondotte, Stephan Graf von Neipperg, wurde gefragt, weshalb er denn das Potenzial dieser kleinen Lage nicht schon früher erkannt habe. Das hatte er durchaus, doch gab er zu bedenken: 'Die Investitionen, die wir seit 1984 auf 'Château Canon la Gaffelière' und seit 1991 beim 'Château Clos l'Oratoire' machen mussten, hat all unsere Energie gebunden.' Erst als diese beiden Betriebe in Form gebracht waren, habe man sich auf La Mondotte konzentrieren können.
Die ganze Wahrheit ist das allerdings nicht. Stephan von Neipperg, dessen Familie die genannten drei Güter gehören und dazu in Saint-Emilion noch das Château Peyraud, hatte eigentlich mit den Trauben vom Château La Mondotte anderes im Sinn. Ursprünglich wollte er deren Saft in den Grand Cru Classé des Château Canon-la-Gaffelière einfliessen lassen, um dessen ohnehin beachtliche Konzentration und Klasse weiter zu steigern.
Das Institut National des Appellations d'Origine (INAO) sowie die lokale Klassifizierungskommission stellten sich jedoch quer, weil dem 'La Mondotte' das Classé hinter dem Grand Cru fehlte. Wäre der 'La Mondotte' im 'Canon-la-Gaffelière' aufgegangen, hätte das den Bruch mit dem starren System bedeutet. Und das im Bordelais, wo alles wie für die Ewigkeit geregelt ist.
Seit 1996 steht nur noch 'La Mondotte', der Jahrgang und 'Comtes de Neipperg auf dem Etikett. Ohne 'Grand Cru' oder sonstige Informationen. Das hält die Liebhaber dieses Weines nicht davon ab, für ihn so viel zu bezahlen wie für keinen anderen aus Saint-Emilion: rund 350 Franken.
Die beiden Grand-Cru-Classé-Weine Canon-la-Gaffelière und Clos de l'Oratoire aus dem Hause Neipperg sind dagegen für rund 80 beziehungsweise 40 Franken zu haben. Die Preise sind das Resultat des schmalen Angebots und der regen Nachfrage - und die wiederum wird nicht zuletzt von Bewertungen des Wein-Scharfrichters Robert M. Parker jr. bestimmt.
Bei den Fassproben des Jahrgangs 99 erreichte der La Mondotte im Neipperg-internen Wettbewerb wieder die meisten Punkte. Über 90 von 100 möglichen holten sich ohnehin alle drei.
Wie aber kommt ein süddeutscher Adliger überhaupt zu einem solchen Besitz in Saint-Emilion? Der Graf holt aus zu einem Exkurs in die Familiengeschichte: Der Stammsitz der Neippergs befindet sich in Schwaigern zwischen Heilbronn und Karlsruhe, wo der Familie beträchtliche forst- und landwirtschaftlich genutzte Ländereien, inklusive des Weinbaus, gehören.
Die Neippergs haben Feldherren und Diplomaten hervorgebracht, von denen einer - Adam Adolf von Neipperg - am Wiener Kongress die Interessen der Schweiz vertrat und dafür sorgte, dass Teile der Ostschweiz nicht an Habsburg-Österreich fielen. Seither sind alle Neippergs Bürger von Sargans und somit sowohl Deutsche als auch so etwas wie Ehrenschweizer. Sie nennen das Haus Habsburg immer noch Habsucht.
1971 kaufte die Stadt Heilbronn den Grafen etwas von ihrem Land ab, und Stephans Vater Joseph Hubert investierte vom Erlös sechs Millionen Francs in das Multipack Château Canon la Gaffelière (20 h), Clos de l'Oratoire (10,5 h), Château Peyraud (14,5 h) und Château La Mondotte (4,5 h). Alle diese Güter hatten eines gemeinsam: Vom guten Ruf vergangener Zeiten war nichts mehr übrig. Sie waren total heruntergewirtschaftet.
In den nächsten 13 Jahren wurde der neippergsche Aussenposten von einem einheimischen Verwalter knapp über Wasser gehalten. Die Wende zum Besseren kam 1984 mit dem gerade 27-jährigen Stephan und seiner Frau Sigweis, einer Malerin, die er "meine viel bessere Hälfte" nennt.
Stephan, fünftes von acht Kindern, war von seinem Vater gefragt worden, ob er Interesse an Canon- la-Gaffelière habe. Er hatte, unter der Voraussetzung weitgehender Freiheiten, die ihm der Chef der Familie garantierte. Stephan von Neipperg beendete sein Studium der Betriebswirtschaft und der politischen Wissenschaften in Paris und bereitete sich in der Weinbaufachschule in Montpellier auf sein künftiges Leben vor.
Denn eines machte er seiner Familie und den Leuten von Saint-Emilion von Anfang an klar: Er war gekommen, um zu bleiben. Darum war es eine seiner ersten Aufgaben, das Château bewohnbar zu machen. Zugleich begann die Arbeit in den Reben und im Keller. Der Kunstdünger, mit dem der Verwalter reichlich Schaden angerichtet hatte, wurde den Böden abgewöhnt.
Stephan von Neipperg führte stattdessen massvolle organische Düngung ein: "Wir produzieren heute nahezu biologisch. Denn Kunstdünger ist der Tod der Pflanze und des Bodens", erklärt er. Die Rebgärten wurden entwässert und zwischen den Rebzeilen begrünt. Dazu kam die Ertragsbegrenzung mittels strengen Rebschnitts. Gerade einmal 30 bis 35 Hektoliter pro Hektare sind heute auf Canon-la-Gaffelière die Regel. Auf La Mondotte sind es gar nur 24.
Die verschiedenen Keller zeigen sich heute so blitzsauber und aufgeräumt wie das ganze Anwesen. Im Chai lagern die Barriques mit den jüngsten Jahrgängen. Holz dominiert auch im Gärkeller, wo Neipperg von Edelstahl auf grosse Fässer umgestellt hat. Die Investitionen in Höhe von zig Millionen Francs begannen sich mit dem Jahrgang 1988 auszuzahlen.
Er war der erste, der die Qualität der Weine vor 1964 wieder erreichte. Und seither sind die vom Merlot geprägten Weine - von den Jahrgangsschwankungen abgesehen - immer besser geworden. Was laut Neipperg nicht zuletzt an seinem gut ausgebildeten und gut bezahlten Personal liegt.
Um zu erfahren, wie seine Weine beim Publikum ankommen, stellt sich der Graf auch schon einmal in der Globus-Delicatessa hinter den Degustationstisch und schenkt eigenhändig Probierschlückchen aus: "Mir kommt es auf die Kommentare und den direkten Kontakt an. Die meisten Leute wissen ja gar nicht, wer ich bin, und halten darum mit ihrer Meinung nicht zurück." Stimmt: Den eleganten Herrn mit dem bunten Ziertuch im blauen Blazer erkennen nur gut informierte Weinliebhaber.
Alte Baulichkeiten wie die von Clos de l'Oratoire oder von La Mondotte zu restaurieren, ist inzwischen zu Neippergs zweiter Passion geworden. Er unterhält einen Lagerplatz, auf dem er Ziegel, Balken, Säulen, Torbögen und Kapitelle aus Abbruchobjekten sammelt, um sie bei nächster Gelegenheit zu verwenden. Und die bietet sich ihm in Form des Château d'Aiguilhe.
Dabei handelt es sich um ein wunderschönes, aber stark renovierungsbedürftiges Weingut mit angeschlossener Burgruine aus dem 13. Jahrhundert in den Côtes de Castillon, einer benachbarten, sogenannt kleinen Appellation. Die Neippergs haben es erworben und versprechen sich Grosses davon. Aber so ganz wird man den Verdacht nicht los, dass der Graf hier nicht nur in Sachen Wein ein neues Betätigungsfeld gesucht und gefunden hat.
Trotz allen kulturellen Interessen: Der Wein bleibt im Mittelpunkt. Und es gibt Indizien dafür, dass das auch in der nächsten Generation so bleibt. Die 13-jährige Caroline, eines von vier Kindern, hat ihren ersten Rosé vinifiziert und auch erfolgreich bei Freunden vermarktet.
Neippergs Antwort auf die Frage, warum er sich für den Wein als Beruf und Berufung entschieden hat: "Das war am Anfang gar nicht so sicher. Aber zum einen stamme ich aus einer Familie, die seit 700 Jahren auch Weinbau betreibt. Und zum andern gehen bei uns die Familienbesitztümer immer an den Ältesten, der ich nicht bin.
Also hatte meine Entscheidung, hierher zu kommen, durchaus wirtschaftliche Gründe. Der Weinfreak ist erst nach und nach entstanden. Zudem kann Weinbau eine Familie auf gesunde Art ernähren. Und das alles hier ist etwas, das man weitergeben kann."
Die deutschen und französischen Weingüter der Grafen von Neipperg werden getrennt vermarktet. Die Bordeauxweine sind in der Schweiz bei mehreren Händlern erhältlich. Unter anderem bei La Cave Bordelaise in Bad Ragaz, Martel in St. Gallen, Reichmuth und Wermuth, beide in Zürich, sowie in den Filialen von Globus und Mövenpick. Besucher werden auf dem Château Canon-la-Gaffelière, 33330 Saint-Emilion, gern gesehen. Anmeldung ist allerdings unumgänglich.
Erich Grasdorf
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