De Weinschenker

Fabelhafter Reifezustand
der lockerbeerigen Trauben im Kirchspiel im Herbst 2006

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Jahrgangsbericht: Deutschland 2006 — Zwischen Himmel und Hölle
Sein Wort hat weltweit großes Gewicht, in Winzerkreisen wie bei begeisterten Weintrinkern. Seine trockenen Rieslinge gelten als Synonym für Weltklassegewächse bester deutscher Provinienz und der Jahrgangsbericht von KPK hat mittlerweile Tradition bei ?.
Keller Familie Regelmäßig in jedem Spätherbst informieren wie Sie, liebe Kunden, aus berufenem Winzermund brandaktuell über die Qualitäten des neuen Jahrgangs und seine jeweiligen Besonderheiten. Doch selten war die Spannung so groß wie beim Jahrgang 2006.
Denn während sich in Österreich auf breiter Linie vielleicht der beste Jahrgang der letzten 25 Jahre abzeichnet und selbst ältere Winzer sich nicht erinnern können, so spät im Herbst nach einer extrem langen Vegetationsperiode 100% gesunde Trauben geerntet zu haben ("Während der Erntezeit 6 Wochen nur gutes Wetter, das habe ich noch nie erlebt", Kurti Angerer, Kamptal), stellt sich die Situation in Deutschland extrem heterogen dar: 2006 wird bei uns ein Jahrgang zwischen Himmel ( An der Mosel werden bereits Vergleiche mit dem legendären 1976 gezogen) und Hölle! Doch lassen wir KPK selbst erzählen:

"Das Weinjahr 2006 kam nach einem langen Winter nur langsam in Gang. Doch Verrieselungen im kühlen Juni sorgten bereits für eine von uns erwünschte Ausdünnung der Trauben, die daher traumhaft lockerbeerig am Rebstock hingen und dann ab Anfang Juli mit der Sonne und der Fußball begeisterten Welt um die Wette strahlten.
Erinnern Sie sich noch, wie pünktlich zum Beginn der Fußball-WM die Temperaturen drastisch anstiegen? Deutschland – ein ein(z)ig Sommermärchen: Der Juli war sagenhafte 4° wärmer als im langjährigen Durchschnitt – und somit der heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.
Doch nicht die Temperaturen sorgten für eine weltweit positive Einstellung unserem Land gegenüber, sondern die fröhliche Stimmung allerorten: Selbst das Halbfinal-Aus gegen Italien, das ich mit meinen Freunden von ? hautnah live im Tollhaus des Dortmunder Stadions erlebte, konnte die Stimmung nicht wirklich trüben. Nur die Angst vor einem "Trocken- bzw. Hitzejahrgang" machte winzerintern bereits die Runde.

Doch dann ließ der August Weinfreunde und Reben gleichermaßen durchatmen: Die kühle Witterung bremste das Wachstum der Reben, der zuvor strapazierte Bodenwasserspeicher wurde reichlich aufgefüllt – die Reben tankten Kraft und Energie für den nahenden Herbst.
Insbesondere für den Riesling waren die klimatischen Bedingungen im August wie ein Geschenk des Himmels. Denn wie keine zweite Rebsorte profitiert diese Edelrebe von moderaten Temperaturen, kühlen Nächten und nicht zu heißen Tagen.
Nur dann reifen seine Früchte langsam heran, gewinnen an aromatischer Konzentration und bilden dieses unverwechselbare Spiel aus zwischen Finesse, Eleganz und großartiger Säurefrische, das die großen Rieslingweine zu weltweit einzigartigen Unikaten macht.

Ähnlich wie im Vorjahr 2005 schien es zunächst im September unter optimalen Bedingungen weiter zu gehen. Ein herrlicher Altweibersommer hielt Einzug — bei Temperaturen von 20-25° lächelten uns die Trauben am Stock an.
Hätten nicht teilweise heftige Gewitterschauer dieses Idyll gestört - es wäre wohl in 2006 ein völlig unproblematischer Jahrgang geworden, der durchgängig grandiose Qualitäten gebracht hätte. Doch nun drohte die Überversorgung der Pflanzen mit Wasser immer mehr Traubenbeeren zum Aufplatzen zu bringen.

Jetzt hieß es urplötzlich: Arbeiten rund um die Uhr! Wer höchste Qualitäten in den Keller einbringen wollte, musste extrem selektiv auslesen. Selektiv auslesen hieß, in jedem Weinberg, Parzelle für Parzelle, von den 10-12 Träubchen am Stock, die man in problemlosen Jahrgängen allesamt ernten kann,
diejenigen rigoros auszusortieren und auf den Boden zu schneiden, die den höchsten qualitativen Ansprüchen nicht genügen und diesen Vorgang gegebenfalls nochmals in allen Wingerten wiederholen, um die übrig gebliebenen Trauben zu bestmöglicher Reife zu bringen.
Diese Art des Arbeitens setzt allerdings voraus, dass bereits über die gesamte Vegetationsperiode hinweg intensiv im Weinberg gewirtschaftet wurde. So war es gerade in 2006 von enormer Bedeutung, die fruchttragenden Sommertriebe exakt und gut durchlüftet aufzubinden.
Optimales Blattwerksmanagement zu betreiben, wie es so (un)schön neudeutsch heißt. Natürliche Begrünungen mussten die Böden vor Erosion schützen und vor allem auch die Wüchsigkeit der Reben bremsen.
Diesen Weinbergszustand erreicht man jedoch nicht von heute auf morgen – Seit über 10 Jahren (!) bereits werden auf unserem Weingut keine mineralischen Dünger mehr eingesetzt, da diese das Gleichgewicht im Boden nachhaltig stören und zu frühem Aufplatzen der Beeren und somit zu ausufernder Fäulnis führen können.

Die kleinbeerigen Träubchen des Morstein strahlen um die Wette: Welch goldener Spätherbst 2006

Die von uns so sehr angestrebte Lockerbeerigkeit und Kleinbeerigkeit der Trauben in Zusammenspiel mit unseren wasserdurchlässigen Kalksteinböden und auch ein wenig Glück im Erntepoker, dass wir unsere Träubchen lange genug am Stock hängen ließen (was gab es für eine goldene Periode vom 5. Oktober an, ein Bilderbuchwetter in einem malerischen indian summer), erbrachte uns in 2006 Weine von fein mineralischer Rasse und gutem Extrakt, die ihren noblen Vorgängern in nichts nachstehen werden – ja, sie hier und da vielleicht gar übertreffen werden.

Die Rieslingtrauben unserer Spitzenlagen HUBACKER, KIRCHSPIEL, ABTSERDE (quasi unsere Jungfernernte von allerdings bereits fast knapp 30-jährigen Reben!) und MORSTEIN profitierten zudem enorm von den ersten kalten Oktobernächten:
Bei Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt verbesserte sich die Aromenstruktur der kleinbeerigen Träubchen von Tag zu Tag.
Hier zahlte sich ganz besonders aus, dass wir in der Vegetationszeit mehr als 500 Arbeitsstunden zusätzlich in Pflegemaßnahmen zur Gesunderhaltung der Trauben (z.B. Entblätterung, Entfernen von Doppeltrieben, Halbierung von Trauben von Hand) investiert hatten .Die extraktreichen Moste unserer Filetstücke wiesen bei der Ernte zwischen 95 und 100° Oechsle auf bei Säurewerten um 8 g/l.
Wir erwarten daher sehr hochwertige, finessenreiche trockene Rieslinge mit feinrassigem Säurespiel und prägnantem Bodengeschmack. Nur die Erträge sind leider nochmals etwas niedriger als im Jahrgang 2005.

Auch in Zukunft werden wir versuchen, wie seit vielen Jahren bereits, in vielen kleinen Schritten auf die sich abzeichnenden klimatischen Veränderungen in der Welt zu reagieren (z.B. engere Zeilenabstände der Reben zur besseren Beschattung und gestutzte Laubwände, damit durch eine niedrigere Assimilationsleistung die Trauben zur langsameren Ausreifung und komplexeren Aromenbildung geführt werden, eine höhere Stockdichte zur tieferen Einwurzelung und gleichmäßigere Versorgung der Pflanzen mit Nährstoffen).
Wir haben den personellen Aufwand im Weinberg in den letzten Jahren immens erhöht, um uns und Ihnen alljährlich größtmöglichen Trinkspaß zu ermöglichen.
Mit großer Vorfreude, Ihnen schon bald unsere ersten 2006er Weine präsentieren zu dürfen (wohl ab März können wir Ihnen die Basisweine des neuen Jahrgangs anbieten), wünsche ich allen Kunden zahlreiche genussvolle Stunden beim Wein,
Ihr Klaus-Peter Keller".

Zizou is de troetelnaam van Zinédine Zidane Herzlichen Dank, Klaus-Peter, für Deinen spannenden Bericht, der mich auch ein wenig wehmütig an eine großartige WM erinnert. Freude und Trauer, Hand in Hand. Für mich unvergesslich der gemeinsame Besuch des vielleicht schönsten Spiels des gesamten Turniers: Frankreich gegen Brasilien, in dem Zizou, der geniale Virtuose des Balls und – allen tragischen Vorkommnissen zum Trotz – , kreativste, ja beste Teilnehmer der WM, wohl das Spiel seines Lebens zelebriert hat. Zizou, in diesem Jahrhundertmatch bist Du leichtfüßig wie eine Gazelle, nein, gar wie ein filigranes Kirchspiel der Kellers inmitten mediokrer Marmeladenbomben, durch die Abwehrreihen der brasilianischen Ballkünstler getänzelt. Unnachahmlich. Unvergesslich. Man kann es anders sehen, aber für mich warst DU der Größte. Wie dereinst Fritz Walter, der säbelbeinige Garrincha, Pele, Cruyff, Gerd Müller oder Beckenbauer. Basta!

Und mein persönliches Fazit zum Weinjahrgang 2006: Dieser wird in Deutschland definitiv die Spreu vom Weizen trennen. Der handwerklichen Erzeugung nobler Spitzenweine durch große Winzerpersönlichkeiten auf der einen steht die agrarindustrielle Massenproduktion auf der anderen Seite gegenüber, mit Qualitätsunterschieden, wie sie gerade in 2006 drastischer nicht sein können.
Ein Trend, der sich wohl noch weiter verstärken wird in den nächsten Jahren, dem wir jedoch gelassen entgegen sehen: Pinard de Picard hat sich zum Ziel gesetzt, Ihnen, unseren werten Kunden, Jahr für Jahr die großen Weinunikate der Winzerelite Deutschlands zu präsentieren, die sich ihren jahrhundertealten legendären Ruf bei Liebhabern in aller Welt zurückerobert haben.
Und ich versprechen Ihnen, liebe Kunden, nach meiner ersten Verkostung Anfang Dezember in den Kellern zu Flörsheim-Dalsheim: Klaus-Peter Keller, der ebenso sensible wie visionäre Winzermagier aus Rheinhessen, hat in 2006 fabelhafte Qualitäten in den Fässern reifen, die in sich die Vorzüge dreier großer Jahrgänge vereinen: den traumhaften Extrakt aus 1998, die vibrierende Frische und Mineralität aus 2004 sowie die innere Dichte und Konzentration aus 2005.
So scheint 2006 bei unseren sympathischen Kellers selbst seinen großartigen Jahrgangsvorgängern nochmals einen Tick überlegen: Die liebevoll gepflegten Rebstöcke, die langsam ihr optimales Alter erreicht haben, das großartige, kalkgeprägte, enegetische Terroir, das durch die jahrelange mühevolle Bodenarbeit ungemein feinkrümmelig geworden ist,
voll prallen Lebens durch die Aber-Milliarden von Kleinstlebewesen, die sich in jedem Quadratmeter dieser großen rheinhessischen Lagen tummeln, die schon in der Warmperiode des Mittelalters den Ruhm der dort produzierten Rieslinge in alle Welt hinausgetragen haben und all die Erfahrungen, die Klaus-Peter Keller, noch jung an Jahren, aber mit einem Faust’schen Wissensdurst gesegnet, in seiner langjährigen (kein Widerspruch, denn seit jüngster Kindheit war er ständiger Weggefährte seines Vaters, Klaus Keller, "Deutschlands Winzer des Jahrzehnts", Gault Millau) Kellerarbeit gesammelt hat, lassen in 2006 geniale Weine erwarten!

Ich kann es kaum erwarten, in den nächsten Wochen und Monaten zu weiteren Verköstigungen in Deutschlands Wein-Mekka zu eilen, ausgiebig zu probieren und Ihnen zu berichten: Im zeitigen Frühjahr 2007 werden wir dann, wie stets, Ihnen Deutschlands beste große trockene Rieslinge wieder in Subskription anbieten.
Infolge der extremen Selektion werden die Mengen in 2006 leider noch knapper sein als in der Vergangenheit. Doch Sie, liebe Stammkunden, brauchen sich nicht zu sorgen: Zuerst schreiben wir Sie, die Sie auch die Vorgängerjahre gekauft haben, in einem gesonderten Mailing exclusiv an, dann erst gehen wir in den freien Verkauf.
Neukunden von ? jedoch, die bisher noch keine Keller-Weine bei uns geordert haben, kann ich nur eindringlich anempfehlen, sich (natürlich noch unverbindlich, da noch keine Preise festgelegt sind) die Großen Gewächse Kirchspiel (laut Gault Millau 2007 der beste trockene Riesling 2005), Hubacker, Abtserde (vielleicht mein Favorit des Jahrgangs, der die abgrundtiefe Mineralität des unmittelbar benachbarten Morsteins mit dem tänzerischen Spiel des Kirchspiels vereint) oder Morstein zu reservieren.
Weltklasse-Rieslinge, Weißweine, wie sie besser nicht sein können, ultimative Provokationen der teuersten Prestigegewächse aus dem Burgund. Der Jahrgang 2006 in Deutschland wird in die Annalen eingehen und die Spreu vom Weizen trennen. Mein Wort drauf!

Kellers Abtserde - Deutschlands Romanée Conti?
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