De ster, die uit de hitte komt: Springfield EstateNiemand vollbringt ein solches Wunder wie Abrie Bruwer auf Springfield in Robertson. In dem wüstenähnlichen Klima des Tals erzeugt er zwei der besten Sauvignons Südafrikas, noch dazu mit eher verhaltenem Alkoholgehalt. Doch wie kann Sauvignon an einem so heißen Flecken so gut werden? 'Da muss man ein ganzes Leben dranbleiben. Zehn Jahre dauerte es, bis mir mein erster Sauvignon schmeckte', gesteht er. 'Jetzt mache ich ihn seit 25 Jahren. Das ist, als würde man Gitarre spielen. Man weiß nicht, was man macht, aber der Ton kommt heraus.' Abrie ließ sich nicht durch den Ruhm der 'cool climates' irritieren, sondern studierte seine eigenen Weinberge und deren Bedingungen. Er richtete alle Rebzeilen neu aus, so dass sie auf den Sonnenuntergang weisen, und arbeitet mil einem weiten Laubdach, so dass mindestens drei, vier Blätter die Trauben schützen. Er lässt das Gras in der Zeilenmitte stehen, damit die Sonne auf dem hellen Boden nicht reflektiert. 'Und dann wollen wir früh lesen, denn ab Ende Januar wird es wirklich richtig heiß. Wir bewässern deshalb im Frühjahr nur tagsüber, damit wir einen frühen Austrieb erhalten. So können wir 14 Tage Vorsprung erreichen. Und das sind die Tage, die wir brauchen, um von der großen Hitze verschont zu bleiben. Ihm sind noch eine Anzahl weiterer "Tricks" in den Sinn gekommen, während er seine Reben unablässig begleitete. Mit denen meistert er die Reife seiner Trauben. 'Außerdem hat man in einem heißen Gebiet ein anderes Geschmacksspektrum', konstatiert Abrie. 'In kühlen Gebieten warten die Leute, bis die Trauben 13,5 bis 14 Prozent haben, bevor die grünen Spargelaromen zu verschwinden beginnen und sie tropische Frucht erhalten. Bei 12 Prozent haben wir in einem heißen Gebiet bereits keine unreifen Aromen van grüner Paprika und Kraut mehr. Wenn man die Wahl hat, eine grüne Paprika oder eine Litschi zu essen, ziehe ich bei weitem die Litschi vor. Ich kann mir keine andere Ecke vorstellen, wo ich Sauvignon blanc erzeugen möchte.' Sauvignon Blanc Jeder Wein sollte eine Adresse haben", meint Jeanette Bruwer, und damit unverwechselbar sein, meinen wir. Aus einem extrem steinigen Terroir stammt dieser Sauvignon Blanc, einer der faszinierendsten Weine dieser Rebsorte, die wir je verkostet haben. Die Trauben werden nachts gelesen, damit eine kühle Angärung möglich ist, wodurch die feinen Aromen erhalten bleiben (im Gegensatz zur schnellen, stürmischen Gärung). Im Duft ein deutlicher Feuersteinton (den man auch riecht, wenn man die Steine aus dem Weinberg aneinander schlägt) und Frühlingswiese. Am Gaumen ein faszinierndes Spiel zwischen Frucht- und mineralischen Noten, viel Saft, nuancenreich, Klasse-Struktur. Ein Wein aus Übersee mit Persönlichkeit und Charakter. 'Whole Berry' Cabernet Sauvignon Die vollreifen Beeren werden nicht gemahlen, sondern unversehrt mit den natürlichen Hefen vergoren. Dadurch werden nur weiche, milde Tannine extrahiert. Ohne Pumpvorgang gelangt der neue Wein in Barriques aus französischer Eiche, die zu 50% neu, zu 50% ein Jahr alt sind. Dort reift er 12 Monate und wird dann unfiltriert abgefüllt, wodurch er ein leichtes Depot aufweisen kann (am besten dekantieren). Eine dichte, leckere, beerige Frucht, spicy, und ein intensives Finale mit Druck machen richtig Laune! Klasse "Guter Wein wird nicht gemacht, er wächst!" Dies ist mit wenigen Worten die Zusammenfassung der Philosophie der Geschwister Abrie und Jeanette Bruwer, Eigentümer und Leiter der Springfield Estate. Sie unterscheiden sich damit erheblich von den meisten anderen Weingütern aus Übersee, wo der Terroir-Gedanke (noch?) so gut wie keine Rolle spielt und meist seelenlose und damit austauschbare Rebsortenweine produziert werden. Abrie Bruwer, der verantwortliche Winemaker sieht sich selbst auch mehr als Rebkultivator denn als Weinmacher. Die Basis für Qualität wird im Weinberg geschaffen, im Keller kann man diese Qualität bestenfalls erhalten. Springfield Estate wird in vierter Generation als Familienweingut betrieben, die Familie kam vor neun Generationen von der Loire nach Südafrika. Die Weinberge liegen im Robertson Valley, einer relativ kühlen Zone in bergigem Umfeld mit großen Temperaturunterschieden. Die zum Teil extrem steinigen Böden verlangen dem Winzer und den Reben viel ab, aber die Mühe lohnt sich. Für jede einzelne Pflanze muss Abrie zwischen den Steinen ein Loch für die Entfaltung der Wurzeln bohren, und selbst dann muss die Rebe noch ums Überleben kämpfen. Doch die Erfahrung zeigt, dass gerade Reben, die "leiden" müssen, beste Ergebnisse erzielen. Auf Pflanzenschutzmittel kann fast ganz verzichtet werden, eine Herde Enten hält die Weinberge frei von Schnecken. Im Keller arbeitet Abrie nur mit natürlichen Hefen, mit denen der Wein bis zu zwölf Monaten in Kontakt bleibt. Ein risikoreiches Verfahren, das auch schon mal zu einem kompletten Ausfall eines Weines führen kann. Dafür sind die gelungenen Weine aber einzigartig. Durch die Hanglage kann völlig auf ein Pumpen der Weine verzichtet werden: die Schwerkraft übernimmt diese Aufgabe. "Je natürlicher man mit etwas arbeitet, umso stabiler wird es", lautet Abries Credo. Konsequent verzichtet er somit auch auf das Filtrieren (mit Ausnahme der Sauvignon Blancs), da dieses dem Wein zu viele Komponenten raubt. Durch das Bekenntnis zum Terroir und seine natürlichen Arbeitsmethoden hat sich Springfield Estate mit seinen individuellen Weinen ein erstklassiges Renommée weltweit erarbeitet. In der 100. Ausgabe von ALLES ÜBER WEIN 2/2001 wird das Weingut mit 2 von 3 Sternen zu den weltbesten Weingütern gezählt. | |||
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