Lenz MoserLenz Moser In vielen Weinhauländern der Welt haben bestimmte Familien die Entwicklung der Weinerzeugung maßgeblich heeinflusst. In einer neuen Artikelfolge stellen wir einige von ihnen vor. Wir beginnen mit dem Erfinder der ‘Hochkultur’ und seinen Nachfahren ’Unversucht ist unerfahren’ schrieb er dem Besucher als Widmung in sein Standardwerk ‘Weinbau einmal anders’. Das war im November 1973, als der 68jährige Dr. B.C. Lenz Moser in seinem imposanten Herrenhaus im niederösterreichischen Rohrendorf bei Krems die Früchte eines jahrzehntelangen Kampfes um die Anerkennung und praxisnahe Umsetzung der von ihm propagierten ‘Hochkultur« ernten konnte Es sollte keine wissenschaftliche Abhandlung sein und kein Lehrbuch sein, das den etwas brav klingenden Titel ‘Weinbau einmal anders’ trug. Sein Verfasser hatte vielmehr die Absicht, einen praktischen Ratgeber für den Winzer zu schreiben, in dem Erfahrungen und Erkenntnisse aus seiner 40jährigen Versuchsarbeit mit Reben und Wein einflossen. Im Mittelpunkt standen seine Bemühungen, den Rebanbau durch veränderte Erziehungsformen grundlegend zu erneuem. Dies erfolgte durch das System der sogenannten Hochkultur, die anstelle der früheren, engen Anlagen trat. Das Buch, in dem er seine Lehrsätze erläuterte, wurde innerhalb weniger Jahreein großer Erfolg. 1923 pflanzte der damals achtzehnjährige den ersten hochgezogenen Weingarten Österreichs. Es war eine wirkliche Pioniertat, zumal in jener Zeit in den Weingärten vieler Winzer noch etliche unveredelte Reben an niedrigen Drahtrahmen rankten. Sie bescherten ihnen mühevolle Arbeit und meist nur mäßige Weinqualitäten. Als er den Betrieb in Rohrendorf von seinem Vater Lenz Moser im Jahre 1929 übernahm, gründete er eine Rebschule mit anfänglich 80 Sorten. In den folgenden Jahren testete er bis zu 600 Rebsorten auf ihre Eignung für seine Hochkultur. Nach langen, zum Teil vehementen Widerständen der Skeptiker, konnte sich seine Hochkultur nach dem 2. Weltkrieg allmählich durchsetzen. Ihre Vorzüge überzeugten offenbar auch die stärksten Kritiker. Gegenüber der niedrigen Pfahlerziehung reduziert sich der Aufwand an Handarbeit auf etwa 40 Prozent. Neben einer rationelleren Bewirtschaftung der Weinberge ergibt die Hochkultur eine bessere Belichtung und Belüftung der Pflanze. Sie ermöglicht somit Erträge, die in Menge und Qualität den alten Erziehungsformen zumindest ebenbürtig, in den meisten Fällen jedoch überlegen sind. Innerhalb von 60 Jahren erfolgte eine gewaltige Rebumstellung in Österreich. 1940 gab es gerade mal 40 Hektar mit der Hochkultur, heute sind es über 50 000 Hektar! Für seine epochalen Verdienste um den Weinbau wurde Lenz Moser 1970 mit der Ehrendoktorwürde und 1975 - drei Jahre vor seinem Tod - mit dem Titel Professor geehrt. ![]() Mutig und innovativ Fünf Jahre später leutete er in Mailberg eine neue Epoche der Rotweinproduktion ein. Mit ersten Versuchen im Barrique- ausbau ebnete er den Weg für einen neuen Rotweinstil der österreichischen Winzer. Laurenz Moser IV, voller Innovationen, machte 1982 einen weiteren konsequenten Schritt in Richtung Rotwein-Perfektion. Er pflanzte den ersten niederösterreichischen Cabernet-Sauvignon. Allerdings hatte er seine Initiative ohne behördlichen Segen vollzogen. So wurden die Aktivitäten erst nach zweijährigem Streit mit der Behörde sanktioniert. Die tiefgreifenden Veränderungen, die als Folge des Weinskandals Mitte der 80er Jahre Erzeugung und Handel in Österreichs Weinwirtschaft erschütterten, hinterließen auch im Hause Lenz Moser radikale Spuren. Die Weinkellerei, die mittlerweile auch im Export beträchtliche Dimension angenommen hatte, erlitt - obwohl in die Glykolaffáre nicht verstrickt - aufgrund des allgemeinen Imageschadens beträchtliche Absatzeinbußen im In- und Ausland. Das Unternehmen, das bis 1985 von Laurenz Moser IV geführt wurde, geriet in Konkurs. ![]() In dieser wirtschaftlich turbulenten Zeit erfolgte die Angliederung an die GHG Linz, eine Tochterfirma der VOG AG. Die Geschäftsführung der Lenz Moser Weinkellerei oblag bis 1997 Lenz Moser V. Anschließend wechselte er zum kalifornischen Weinhaus Robert Mondavi, dessen Geschäftsffihrung er für Europa übernahm. In dieser Funktion besorgt er auch den Weinvertrieb für das renommierte amerikanische Unternehmen im Nahen Osten und in Afrika. Schon nach seinem Studium hatte er in der Mondavi-Gruppe gearbeitet. Nunmehr repräsentiert er die Weine der viel bewunderten Mondavi Family in der Alten Welt. Hier hatte sich unterdessen unter der Firmenbezeichnung, die seinen Familennamen trägt, entscheidendes entwickelt. Otto Bruckner, Vorstandsvorsitzender der VOG AG, übernahm gemeinsam mit seinem Sohn und Karl Fischer die Leitung des Lenz-Moser-Weinunternehmens. Dahinter steht heute nicht nur eines der traditionsreichsten, sondern auch das wohl größte Weinunternehmen Österreichs. Es verfügt über eine Gesamtvermarktungsfläche von 2 000 Hektar mit einer Jahresproduktion von etwa 14 Millionen Flaschen. Mit 3 000 Weinbauern bestehen langfristige Kooperationen. Sie arbeiten nach genau festgelegten Qualitätsrichdinien und werden durch Lenz-Moser-Önologen betreut. ![]() Es gibt aber auch weiterhin einen Familienbetrieb, der als eigenständige Einheit nach der Verschmelzung von Lenz Moser und der VOG-Gruppe erhalten blieb. Das 50 Hektar umfassende Weingut von Sepp Moser steht gleichsam auf zwei recht unterschiedlichen Standbeinen. 22 Hektar Weinberge liegen rund um Rohrendorf östlich von Krems auf nach Süden abfallenden Terrassen, während 28 Hektar auf das im burgenländischen Seewinkel östlich des Neusiedler Sees gelegenen Apetlon entfallen. Am 31. Dezember 1999 feierte Sepp Moser seinen 70. Geburtstag. Einen Tag später übergab er die Betriebsleitung seinem Sohn Nikolaus, der schon zuvor für die önologische Seite des Weingutes weitgehend verantwortlich war. Der agile Senior wird sich zwar aus dem Tagesgeschäft zurückziehen, dem Weinbau freilich bleibt er gewiß mit Herz und Verstand treu - eben ein echter Moser. Den ersten historischen Bezugspunkt gibt es bereits im Jahr 1040, als Kaiser Heinrich 1040 der bayrischen Benediktinerabtei Ebersberg den Vorläufer des heutigen Gutskellers in Rohrendorf geschenkt hat; einen Moser gab es urkundlich erstmals im Jahre 1124, der seinerzeit als Verwalter der Besitzungen eben dieses Stiftes genannt wurde. Die sinnvoll gewählte Geburtsstunde der Moderne ist aber zweifellos das Jahr 1849, als Anton Moser den sogenannten Zehntkeller erworben hat - er ist bis heute das Stammhaus der Weinkellerei Lenz Moser geblieben. ![]() | |||
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